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Potsdam-Mittelmark

KulTOUR

Dialog mit alten Steinen

Findlingsgarten jetzt auch Ort für Skulpturen

Seddiner See - Hinz und Kunz sieht man von der Straße her zuerst. Die zwei lustigen Gesellen von Marina Schreiber ähneln gelben Halma-Kegeln, kein Gesicht, aber reichlich Forma. Sie stechen wegen ihrer Farbe und dem Material Polyester ein wenig aus den sonstigen Skulpturen im Findlingspark am Seddiner See heraus, am Ortseingang von Kähnsdorf, ganz nahe am winzigen Friedhof, wo neben der uralten Kapelle jetzt die Birken grünen und die Finken schlagen.

Der künstlich angelegte Eiszeitpark, 2005 von etwa 3000 Besuchern jährlich frequentiert, ist ab Sonntag um eine Dauer-Attraktion reicher. In Kooperation mit der Potsdamer Galerie Ruhnke hatte sich der Betreiber-Verein im vergangenen Sommer entschlossen, eine Skulpturenausstellung in diese Anlage zu integrieren. Ausstellung und Verkaufsmöglichkeit zugleich, falls das nötige Kleingeld vorhanden, will sie vor allem zeitgenössische Kunst mit dem Ältesten korrespondieren lassen, was die Erde bietet, dem Stein. Namhafte Künstler wie Christian Roehl, Volker Bartsch, aber auch der Süddeutsche "Ketten-Spezialist" Peter Weidl mussten sich nicht lange bitten lassen, und so ist eine ganz wunderbare Exposition zuwege gekommen, welche man im sanften Hügelland am See bewundern kann.

Allerdings ist das Material Stein so häufig gar nicht vertreten, nur die zierliche Susanne Specht nutzte schwarzen Granit en bloc, um ihre sinnfälligen "Intermundien" hineinzubohren und zu -schleifen, während Hans-Dieter Schmidt mit "Paar" der Solist in Sachen Holz ist. Sonst verwendeten Künstler wie Karl Menzen, Christoph Krane oder Gisela von Bruchhausen vorwiegend Stahl, Klaus Reincke auch Eisenguss, um seine kleingeflügelte "Nike" abzubilden.

Wie Werner Ruhnke beim Pressegespräch am Donnerstag mitteilte, sollten die Exponate künstlerisch anspruchsvoll sein, ins Konzept des Findlingsgartens passen und darüber hinaus "den Dialog mit den Steinen aushalten" können, zumal man sich von solcherart "Kunst im öffentlichen Raum" auch regeren Publikumszuspruch erhofft. Alles eingelöst, wie man leicht bei dem belebenden Rundgang danach feststellen konnte. Drei polierte Edelstahl-Skulpturen von Christian Roehl erheben sich im hinteren Teil des Parks, deren eine im unteren Teil das Dunkel der Erde spiegelt, im oberen die Bedeckung des Himmels, während das Zwischenstück metallen glänzt.

Volker Bartschens "Torblock" aus Eisen wirkt wie ein massiges Puzzle, wiegt aber nur 400 Kilo, andere Werke verfolgen das umgekehrte Prinzip. Zwölf Teilnehmer haben sich mit insgesamt 26 Arbeiten an diesem Projekt beteiligt. Die Ausstellung soll ohne zeitliches Limit sein, wird etwas verkauft, so ist im Nu für künstlerischen Nachschub gesorgt.

Zweite Botschaft: Weitere Bildhauer werden ausdrücklich eingeladen, vor Ort Eigenes zu schaffen, um die mit dem Engagement örtlichen Handwerks geschaffene Exposition nach und nach zu ergänzen. Findlinge werden aus dem Fundus des Vereines gestellt.

Vielleicht bekommt so der schöne Windkanter am Eingang bald Gesellschaft. Marina Schreibers "Lilienstengel" und "Wasserpfeifen" im künstlichen See haben sie schon - von den Quak-Fröschen am benachbarten Gewässer. Majestätisch heben sich auch die beiden Windspiele in Rot und Blau von Michael Hischer aus dem Kinder-Arboretum dieses Parkes heraus, wunderbar beruhigende Dinger, ganz ohne Titel. Stephan J. Möller schweißte zwei Stahl-Skulpturen ganz anderer Art. Von der Nähe, aus der Ferne – die künstlerische Konzeption ist gelungen. Kähnsdorf darf sich vermutlich zugute halten, die einzige Anlage solcher Art in Deutschland zu haben.

Vernissage am Sonntag 11 Uhr am Ortseingang Kähnsdorf

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