Sie sind hier: Skulpturen


"KUNST UND NATUR VEREINT"

GALERIE RUHNKE PRÄSENTIERT PLASTIKEN IM FINDLINGSGARTEN

KLAUS-P. ANDERS

KÄHNSDORF Wer dieser Tage den Seddiner See umwandert, wird mit Erstaunen Bewegung im Findlingsgarten feststellen. "Und sie bewegen sich doch!" in Anlehnung des Rufes eines bedeutenden Naturphilosophen über die dort lagernden Urgesteine zu sagen, wäre vermessen. Deren Bewegungen sind in Milliarden von Jahren messbar – weitaus zu lang für unser kurzes Erdendasein. Nein, die Findlinge haben Gesellschaft bekommen: Skulpturen verschiedener Art, Farbe und Form. Was man von weitem winken sieht, sind zwei blau bzw. rot gestrichene namenlose Modelle von Michael Hischer, die sich im Wind drehen und so um Aufmerksamkeit für das neue Projekt im Findlingsgarten werben.

Die Galerie Ruhnke, bekannte Potsdamer Galerie für Malerei, Grafik und Plastiken, hatte in Person ihres Chefs – im Privaten Einwohner der Gemeinde Seddiner See – die Idee, größere, geeignete Skulpturen in einer Freiland-Ausstellung zu präsentieren. Mit Initiatoren und Künstlern wurde die Ausstellung konzipiert und realisiert; selbstverständlich mit großem Elan auf allen Seiten und rein privat finanziert. Während die Künstler ihre Großplastiken zunächst unentgeltlich zur Verfügung stellen und auch beim Transport begleiteten, sorgten andere Unterstützer für die Fundamente und die Aufstellung (Landschaftsbau Brandenburg) sowie die Beschilderung (Schlosserei Senft). Unterstützung gab es auch durch die Gastgeber, den Findlingsgarten-Verein: Professor Heiner Vollstädt als Vorsitzender freut sich über den zusätzlichen Aspekt, der auch wieder Aufmerksamkeit auf die heimischen Steine, die in den Zeitläuften aus weit entfernten Regionen zu uns gewandert sind, lenken wird.

Einige der ausgestellten Kunstwerke entstanden auch aus Stein: Susanne Specht bearbeitete schwarzen Granit aus Südafrika und nennt sie Intermundien. Der Granit wäre allerdings nie durch geologische Wanderungen zu uns gekommen und auch die Bearbeitung hat keine Ähnlichkeit mit den natürlich abgeschliffenen oder gekanteten sonstigen Steinen des Findlingsgartens.

Einige Skulpturen sind aus Stahl, rostig und bullig, wie er im Schwermaschinen- oder Schiffsbau verwendet wird. Und nur durch Anklopfen erfährt man, ob die Plastik hohl oder voll ist. Aber auch Aluminium oder Edelstahl, wie die drei eleganten Figuren von Christian Roehl (Impuls, Davis und Goliath, Aufstehen-Einfallen), oder Polyester und Holz dienen als Materialien für die eindrücklichen Skulpturen. Wenn sie nicht "ohne Titel" sind – vielleicht hoffend auf eine Namensgebung durch die Käufer – unterstützen die Namen sinnvoll die Skulptur ("Ketteneruption" von Peter Weidl, "Durchkreuzung" von Karl Menzen) während andere der Phantasie freien Lauf lassen ("Magnifizenz" von Gisela von Bruchhausen, "Torblock" von Volker Bartsch). Letzterer ist hier zu Hause, andere Künstler sind Brandenburger, der fernste kommt vom Inn.

Da der Findlingsgarten ständig geöffnet ist, können die im weiten Areal angeordneten Skulpturen auch bei jeder Tageszeit und Witterung besichtigt werden. Sonne und Wolken ändern die Erscheinung der Skulpturen. Ein Diebstahl der tonnenschweren Objekte ist allerdings kaum zu befürchten. Liebhaber, die zur privaten Aufstellung sicher auch geeignete Flächen haben sollten, können für etwa 4000 bis knapp 70 000 Euro die Kunstwerke erstehen. Dann gibt’s Ersatz, wie Galerist Ruhnke hoffend erklärt, denn die Ausstellung soll zumindest dieses Jahr ein Anreiz zum Besuch sein.

Bürgermeister Axel Zinke, wissend um seine Perlen im Schatzkästchen, ist begeistert ob der neuen Attraktion und verspricht sich weitere kulturelle Ideen um Kähnsdorf und den Seddiner See, die von seiner Gemeinde nach Kräften unterstützt werden.

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam
Realisiert von Unrast Kommunikation mit ico»cms