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Spur der Steine

Findlinge und Skulpturen in Kähnsdorf am Seddiner See

WELF GROMBACHER

Als Brandenburgs Verdi-Boss ist es Werner Ruhnke gewöhnt, Steine aus dem Weg zu räumen. Gewerkschafter müssen das hin und wieder. Eine Erfahrung, die ihm seit ein paar Jahren in seiner Potsdamer Galerie durchaus zugute kommt. Und trotzdem gibt es Klötze, die jegliche Dimension sprengen. Auch die seiner Galerie in der Hegelallee 41. "Unsere Räume sind für manche Skulpturen zu klein", sagt Ruhnke. "Deswegen habe ich mich umgeschaut, wo sich auch große Kunstwerke im Freien angemessen präsentieren lassen." Fündig wurde der "gewerkschaftlich organisierte Galerist" direkt vor seiner eigenen Haustür in Kähnsdorf.

Genauer: in dem nun seit sechs Jahren existierenden "Findlingsgarten am Seddiner See". Der gleichnamige Verein hatte nichts dagegen, und so stehen jetzt 26 Arbeiten von zwölf verschiedenen Künstlern zwischen den Millionen Jahre alten Dala-Sandsteinen und Filipstadt-Graniten. Einst trugen Gletscher die Brocken aus anderen Erdregionen ins Märkische. Dieses Mal ging es also nicht darum, Steine aus dem Weg zu räumen, eher, sie mit Kunst in Einklang zu bringen. "Dabei sollte der Charakter des Findlingsgartens nicht in Mitleidenschaft gezogen werden", so Ruhnke. "Vielmehr sollten die Steine einen spannungsreichen Dialog mit den Skulpturen eingehen."

"Gegen-Satz" von Karl Menzen Foto: Grombacher

Was gelungen ist. Gleich am Eingang versucht der Berliner Karl Menzen mit seiner Skulptur "Gegen-Satz" die Schwerkraft aufzuheben, lässt einen tonnenschweren Granit-Block scheinbar ohne Gewicht auf einer gebogenen Stahlplatte schweben. Hier hat der Mensch die Urkraft gebändigt. Menzen vereint auf diese Weise in der 2002 entstandenen Arbeit die Gegensätze des Gartens. Natur und Kultur, schroffe Roheit und artifizielle Form treffen frontal aufeinander und gehen doch eine Symbiose ein. Die Kunst tritt in die Spur, die die steinzeitlichen Gletscher hinterlassen haben - füllt sie mit Anmut und Würde. Klaus Reinke aus dem niedersächsischen Versmold ist mit seiner "Nike" vertreten, Volker Bartsch aus Wildenbruch mit dem faszinierenden "Torblock" und Gisela von Bruchhausen aus Werder mit der dreiteiligen Skulpturengruppe "Hideaway".

Beeindruckend auch Christian Roehls Arbeiten aus Edelstahl. Wie Antennen, die ihre Arme gen Himmel recken, stehen die grazilen Gebilde in der Natur, zerfließen mit der idyllischen Landschaft. Der in Stahnsdorf arbeitende Künstler holt den Himmel auf die Erde, indem seine fragilen Werke die Wolken spiegeln. Sie stehen im reizvollen Kontrast zu den Findlingen und den biomorphen Objekten von Marina Schreiber. Ihre bunten Polyesterfiguren erinnern an die Werke des Dadaisten Hans Arp, beziehen den Froschteich mit ein in einen harmonischen Dreiklang der Skulpturen. Die Natur ist hier gebändigt. Der Mensch hat die Oberhand behalten.

Findlingsgarten Seddiner See, Schlunkendorfer Str. 21, Kähnsdorf. Mi-So 10-16 Uhr.

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