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Ressort: Potsdam Kultur

Bronze glatt
Volker Bartsch mit Skulpturen, Ölmalerei und Radierungen in der Galerie Ruhnke

Von Lore Bardens
Wer Volker Bartsch nicht kennt, kann entweder nach Berlin in den Zoo fahren, wo am Aquarium die Gesteins-Brunnenskulptur von ihm zeigt, wozu er in der Lage ist, aber der Volker-Bartsch-Amateur kann nun auch in die Galerie Ruhnke gehen, um dort einen Blick auf das raumgreifende Schaffen des Künstlers zu nehmen. Neben seinen Skulpturen sind die Wände der Räume der Galerie mit Ölmalerei und Radierungen geschmückt. In dieser umfassende Schau präsentiert sich der 1953 geborene Künstler von vielen Seiten: ganz zarte Radierungen wie "Erwachen" oder "Tagtraum" tragen auf filigranen, durchbrochenen Strukturen weiche, bescheidene Farbigkeit und erwecken insgesamt ein Gefühl der Schwerelosigkeit – dagegen stemmen die Skulpturen aus schwerer Bronze ihr Gewicht. Auf den ersten Blick wirken seine Skulpturen ziemlich erratisch, unbeweglich, stoisch gar.

Dass er das zu konterkarieren sucht, indem er sich ein dynamisches Thema setzt, ist auch einigen Bronze-Arbeiten anzusehen: die "Flötistin" beispielsweise spielt elegant auf ihrem Instrument, und bei "Communicator" werden die einzelnen Elemente derart beweglich und schwungvoll, dass man sich das Gespräch bildhaft vorstellen kann. Diese beiden kleineren Arbeiten zeigen ein Prinzip Bartschs, das auch bei seinen Großraumplastiken Anwendung findet: Die Bögen sind in all ihrer bockigen Schwerfälligkeit fein und beweglich zugleich, die Quader- und Rechteckformen werden durch kleine Trennungen, Verstrebungen, Hinstrebungen aufgehoben und in eine neue Verschränkung geführt. Da gibt es dann wie kleine Risse Wege zwischen den Armen, die sich wie Suchende aufeinander zu bewegen, da gibt es den Kopf, der auf einem anderen Block fast aufliegt, aber dennoch einen Spalt zwischen sich und dem Körper lässt. Auf dem Kopf zucken kleine Einkerbungen, sie sind reihenhaft nebeneinander gefügt und sehen aus wie ein Raster. Tatsächlich heißt diese Skulptur "Rasterman" und zeugt überdies von den seltenen Anflügen einer gewissen Ironie. Ein Thema Bartschs scheint also der Gegensatz zwischen leicht und schwer, zwischen verwachsen und dynamisch, zwischen Erde und Luft zu sein - und er findet auf diese antipodische Zerrissenheit immer neue Antworten.

In seinen Ölgemälden wird dafür Farbe auf die Fläche geworfen, dass es eine Wucht ist – das mag, wie in "Grenzüberschreitung" das Rot sein, das in unterschiedlich schimmernden Changierungen die schwarze Brücke umgibt, die von dem lodernden Farbenmeer in enge Grenzen verwiesen wird. Das mag wie in "Abgetaucht" das Blau sein, das mit Schwarz und Grau-Weiß um die Vorherrschaft kämpft. Spielerisch ist Bartsch selten, sein Werk wirkt ernst und von dem Ringen um das Höhere durchdrungen.

Auch die Titel mancher Arbeiten spiegeln dies wider: "Die sieben Todsünden" gibt es als "Ira" (Zorn) in der Radierung und als "Superbia" in einer großen, stolzen, nachoben immer mehr glänzenden Bronze, die in dem Ausstellungsraum so tut, als habe sie sich verirrt. Mit der Umgebung, also mit den Ölbildern und kleineren Radierungen will sie nicht das geringste zu tun haben, denn dass sie die Wichtigste aller künstlerischen Arbeiten ist, das kann man ihrer blankgeputzten Schönheit ansehen.

Volker Bartsch liebt offensichtlich das Wechselspiel zwischen den Genres und gibt seiner Malerei, den Grafiken und seiner Skulptur Ähnliches mit auf den Weg. In seinem Gemälde "Perspektiven" ist es das Spiel mit den Formen, das sich auch in seinen Skulpturen wieder findet: Blöcke, Stelen, Rechtecke, so gerade sie auch zu sein scheinen, sie können – wegen der Perspektive – jederzeit umfallen. Auch das ist eines der Themen, die sich in dem Werk von Volker Bartsch verstecken: Verletzlichkeit des scheinbar Starken.

So sprechen in der Ausstellung in der Galerie Ruhnke die Arbeiten miteinander und unterhalten sich über die Grenzen der Genres hinweg. Sie befinden sich natürlich – Kunst verpflichtet – in einem sehr ernsthaften Austausch, in dem nur selten ein Späßchen gemacht und über Niedriges nachgedacht wird.

Diese Kommunikation jedoch ist es wert, wahrgenommen zu werden.

Bis 30.9., Do/Fr 14-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Hegelallee 41

2007 © Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co.

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