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Bewegtes Wasser, archaische Ruhe
von Steffi Pyanoe

Ute Hoffritz und Malkin Posorski harmonieren mit Skulpturen und Bildern in der Galerie Ruhnke
"
Skulpturen und Bilder". Für einen erfahrenen Galeristen wie Werner Ruhnke, der weiß, was er will und nichts dem Zufall überlässt, überrascht der Titel seiner 54. Ausstellung. Was sonst, mag man denken, beim Bäcker gibt’s Brot und zwischen den weißen Wänden in der Charlottenstraße die Portion Kunst dazu: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Hat mal jemand Berühmtes gesagt. Aber vielleicht ist Ruhnke auch nur besonders gewitzt und stapelt gern tief? Will neugierig machen auf die gelungene Symbiose der Werke, seiner Entdeckungen, auf die er stolz ist. Schon einmal waren die Berliner Bildhauerin Ute Hoffritz und die Malerin aus Caputh, Malkin Posorski, bei ihm zu Gast; während einer Gemeinschaftsausstellung im vergangenen Jahr war Ruhnke sehr angetan davon, wie sich in den Werken der Kolleginnen in einem "dialektischen Sinn eine neue Spannung aufbaute".

Wenn die Bilder gehängt, die Skulpturen zugeordnet sind, wenn dann alles stimmig ist, kann der Besucher der Ausstellung, die am heutigen Samstag eröffnet wird, im besten Fall diese neue Qualität spüren, sich fallen lassen, sie erleben. Ruhnke kennt seine Räume, vorsichtig hat er sie bestückt, für ihn gilt die Regel: Weniger ist mehr. Und so darf sich der Betrachter verwöhnen lassen von einer gewissen Großzügigkeit, die Spielraum lässt für neue Wahrnehmungen und Assoziationen, sich durchdringen lassen von der Stille oder den leisen Vibrationen. Kontakt aufnehmen und sich selbst einnehmen lassen. In so eine Ausstellung kommt man am besten noch einmal nach der Eröffnung, wenn alle Reden gesagt, der Proseccoduft sich verflüchtigt hat und die Gästedichte wieder auf Normalmaß angekommen ist. Freie Sichtachsen sind ein Muss für die Bilder von Posorski und Hoffritz’ Skulpturen. Dass sie so gut miteinander können – die wilden Wasser vom Schwielowsee und die archaisch anmutenden, an indigene Zweckbauten erinnernden glatten Plastiken – es bleibt eine Überraschung. "Sie bringen beide etwas Kontemplatives mit", sagen die Künstlerinnen, der Widerspruch zwischen der Schwere des Materiellen und der Leichtigkeit des flüchtigen Wassers fordert heraus und tritt dann plötzlich unmerklich in den Hintergrund, wird nebensächlich. Eine Bilderserie mit weichen, konkaven Wogen tritt in einen Dialog mit einem trichterähnlichen Gegenstand, die Linien aufgefangen in der Fortsetzung des Bogens, dessen Starre so starr plötzlich nicht mehr ist.

Die Aufbautechnik ermöglicht Hoffritz ein langsames Herantasten an die finale Form. Nach Skizzen und Zeichnungen entsteht die erste Form aus feuchtem Ton, die dann mit Beton, Terracotta oder Bronze gefüllt wird. Die Arbeit aus dem Block, das Abtragen, ist die Ausnahme; ein Stück aus Alabaster ist in der Ausstellung zu sehen. Hoffritz bevorzugt archaische, architektonische Formen, zeitweise fühlt man sich in ein ethnologisches Museum versetzt, gerade wenn man den Miniaturen gegenübersteht, die teilweise in ihrer groben Oberfläche belassen sind. Treppen, die zu einem Thron führen können, Pyramiden, Öfen, Boote – alles reduziert auf das Wesentliche, ein Anstupser für das Auge. Steht die Treppe nun vor einem Wasserbild Posorskis, die Nahaufnahme der Oberfläche mit psychedelischer Tiefenwirkung, wird die Treppe zu Stufen, die in einen Pool führen.

Für den hinteren Raum hat sich Ruhnke die Miniaturen und kleinformatigen Bilder aufgehoben und in Reih und Glied gebracht. So erhält der langgestreckte Raum einen musealen Charakter, fühlt man sich seltsam pädagogisch betreut, ein liebenswerter Kontrast zum Rest des Hauses. Hier nun zeigt sich, dass Posorski nicht nur dem Wasser zugetan ist, sondern auch den Hügellandschaften der Toskana, deren goldener Abendglanz sich mit dem zarten Grasgespinst verwebt. Gern vermischt sie Techniken, von japanischer Tusche bis Bleistift, Acryl oder Collagen. Ein fünfteiliges Werk beginnt sie als Foto und beendet es – für den Betrachter fast unbemerkt – als Acrylbild. Die strandumspülende Gischt stets in den selben intensiven, detailverliebten Farben, dem Foto täuschend ähnlich. Posorski, Jahrgang 46, hat in Karlsruhe Malerei und in New York City Film studiert und als freie Filmemacherin gearbeitet. Seit vier Jahren lebt sie in Caputh mit Blick aufs Wasser. "Aber arbeiten tu ich im Atelier, die Bilder entstehen im Kopf", sagt sie. Ute Hoffritz, geboren 1961, hat in Nürnberg und an der Berliner HdK Bildhauerei studiert. Eine schwimmende "Kapelle" ist Bestandteil des Kunstwanderweges Hoher Fläming. Im Herbst soll eine weitere, auf einem kleinen Teich schwimmende Skulptur Ruhnkes Skulpturenausstellung im Kähnsdorfer Findlingsgarten ergänzen.

Die Ausstellung wird am heutigen Samstag, 16 Uhr, in der Galerie Ruhnke in der Charlottenstraße 122 eröffnet. Beide Künstlerinnen sind anwesend. „Skulpturen und Bilder“ ist dann bis zum 11. September, donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr, zu sehen

Erschienen am 30.07.2011 auf Seite 27

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