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In anderen Räumen

Am morgigen Sonntag eröffnet Christina Plaßmanns und Stefan Pietrygas
Gastspiel "Interim" mit elf Künstlern in der Galerie Ruhnke

Zuerst waren es ausschließlich Japaner. Ihre Namen: Osamu Nakajima, Katsuhito Nishikawa, Morio Nishimura und Chihiro Shimotani. Künstler, aufgewachsen in Japan, die durch Akademiebesuche und Ausstellungsaktivitäten mit aktueller westlicher Kunst und Kultur in Berührung kamen. Japanische Künstler bilden einen der Sammlungsschwerpunkte von Christina Plaßmann und ihrem Mann Stefan Pietryga, der selbst Bildhauer und Maler ist. Die beiden hatten ursprünglich die Idee, in Potsdam eine Ausstellung ausschließlich mit japanischen Künstlern zu machen. Doch gesellten sich während der Vorbereitung der Schau nach und nach weitere Werke dazu. Den Fundus stellten dabei die neunziger Jahre – hier vor allem die Düsseldorfer Szene – auf deren Kunst sich das Sammlerpaar spezialisiert hat. Mit ausgewählten Arbeiten ist ab dem morgigen Sonntag der „Ausstellungsraum Christina Plaßmann“ unter dem Motto "Interim" vier Wochen lang in der Galerie Ruhnke zu Gast.

In der Vergangenheit hatten Plaßmann und Pietryga immer wieder durch temporäre Ausstellungen in Potsdam von sich reden gemacht. Zuletzt fand Christina Plaßmann in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt- und Landesbibliothek für ihren Ausstellungsraum ein geeignetes Refugium. Dass sie mit ihrer Kunst immer wieder andere Orte bespielt, ist weniger aus Not geboren denn aus innerer Überzeugung.

"Es geht darum, gute Kunst in unterschiedlichen Räumen zu zeigen", kommentiert die Ausstellungsmacherin ihr bewährtes Konzept. Der Kreuzgang der Potsdamer Friedenskirche oder die ehemalige Alexander-von-Humboldt-Buchhandlung beispielsweise dienten bereits als Ausstellungsraum. Nun also dockt Plaßmann in der Galerie Ruhnke an. Werner Ruhnke machte im Vorfeld erstmalig die Erfahrung, wie es ist, "in der leeren Galerie zu sitzen und zu warten, was da kommt". Das hohe Niveau der in der Vergangenheit von Christina Plaßmann gezeigten künstlerischen Positionen gab dem Galeristen angesichts der geplanten Gastausstellung ein gutes Gefühl. Die Zurückgenommenheit der für die Interimsschau ausgewählten Arbeiten und ihre reduzierte Ästhetik verhalten sich im Übrigen stimmig zu der Kunst, die Ruhnke üblicherweise vertritt.

Ausgewählte Arbeiten von insgesamt elf Künstlern haben Christina Plaßmann und Stefan Pietryga für das Zwischenspiel in Potsdam versammelt. Zu den Höhepunkten zählen zwei Lithographien aus dem Spätwerk von Hans Hartung und ein Zyklus, bestehend aus sechs Lithographien, von Pir Kirkeby. Einen weiteren Glanzpunkt setzt eine exquisite Arbeit von Alicja Kwade: Auf einem schlanken Sockel thront eine mehrfach geknautschte Büchse aus gewöhnlichem Aluminium. Die Oberfläche wurde durch eine hauchdünn aufgetragene Goldschicht veredelt, auf der sich geheimnisvoll das Licht bricht und raffinierte Schattenwürfe entstehen. So wie bei diesem Multiple mit dem Titel "Schwarzes Gold" ist für die Arbeitsweise von Alicja Kwade die Perfektion in Formgebung und technischer Ausführung charakteristisch, begleitet von einer gewissen Irritation.

Die gezeigten Arbeiten europäischen Ursprungs liegen mit denen der Japaner gefühlt auf einer Wellenlänge. Der überwiegend meditative Charakter der Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Objekte eint die individuellen Handschriften. Ohne sich in ihrer Wirkung gegenseitig zu beeinträchtigen, sind die Arbeiten auf zwei Galerieräume verteilt. Der formvollendete schwarze Granit von Osamu Nakajima im stillen Innenhof lädt ein zur Kontemplation.

Eine herausragende Position inmitten der plastischen Arbeiten nimmt Morio Nishimura ein. Aus Sperrholz und Holzspänen formt er federleichte, an pflanzliche Formen erinnernde Schalen, die er „Süßer Regen“ nennt. Mit Vorliebe präsentiert der Künstler seine zum Teil großformatigen Arbeiten unmittelbar auf dem Boden oder in sakralen Räumen. Doch auch in einer Glasvitrine oder vor einer nüchtern-weißen Wand wie im Falle der Präsentation in Potsdam entfalten diese Objekte eine poetische Kraft.

Zum Überraschungsmoment schließlich – auch für die beiden Kuratoren – wird kurz vor der Eröffnung jene künstlerische Position, die mit dem Beitrag von Andreas K. Schulze als letzte Einzug hält. Schulze schafft seine Installationen stets in unmittelbarer Reaktion auf einen ganz konkreten Raum. Er ist, so Christina Plaßmann, "jemand, der hier vor Ort ein Erkennungszeichen gibt".
Almut Andreae

Die Eröffnung der Ausstellung "Interim" findet am morgigen Sonntag, 16 Uhr, in der Galerie Ruhnke, Charlottenstraße 122, statt.
Die Ausstellung ist bis zum 26. September, immer donnerstags bis sonntags, 12-18 Uhr, geöffnet


© Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co. KG







Glanzpunkt. Für ihre Arbeit "Schwarzes Gold" veredelte Alicja Kwade eine Büchse mit Gold
Foto: promo

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