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"Zwischen-Räume von Interesse"
Bilder und Grafiken, Collagen und Plastiken von Andreas Rössiger in der Galerie Ruhnke

Von Götz J. Pfeiffer

Was sind eigentlich Zwischenräume? Nur ein Irgendetwas zwischen A und B? Oder bieten sie ein interessantes Unbekanntes dicht neben dem Vertrauten?

Zwischenräume künstlerischer Gestalt verspricht die jüngst eröffnete Galerie Ruhnke in ihrer gleichnamigen ersten Ausstellung. Dazu hat sich der Galerist zahlreiche Bilder und Grafiken, manche Collagen und zwei Plastiken des Berliners Andreas Rössiger in seine fünf schönen Räume an der Hegelallee geholt. Die ältesten Arbeiten stammen aus dem Jahr 1992, die meisten aus der vergangenen Halbdekade 1999 bis 2004.

In lockerer Weise sind die knapp 40 Arbeiten nach Techniken und Themen angeordnet. So finden sich im ersten Raum zur Straße ältere graphische Arbeiten von 1992, Werke in Mischtechnik und Collagen auf Karton neben Ölpastellen aus der Serie „Texte aus dem Erdgeschoss“. Gerade bei diesen erst kürzlich entstandenen Arbeiten, die von den übereinander liegenden Schriftzeilen in verschieden großen, scheinbar lesbaren Buchstaben bestimmt werden, ist Rössigers Studium als Grafik-Designer zu spüren. Der 1952 in Berlin Geborene genoss seine Ausbildung an einem nicht häufig genannten Ort: der Fachschule des Berliner Lette-Vereins.

Dass er sich auch als Maler betätigt, zeigt nicht nur seine Selbstbezeichnung als solcher und die Mischtechnik „Besondere Bedeutung“ von 1996 in einem der hinteren Räume. Seine malerischen Ambitionen führt Rössiger im zweiten Raum auch mit drei kleineren und zwei großen Farbfeldbildern vor Augen. Sie führen ihr spezifisches Thema als Bildtitel.

Damit stellt sich Rössiger offenbar unbekümmert in die bildkünstlerische Tradition der seit den späten 50er Jahren geübten colour-fielding-paintings US-amerikanischer Maler. Am eindrücklichsten gelingt ihm der heraufbeschworene Vergleich mit großen Namen wie Frank Stella auf „Farbfeldfünf“. Von den unteren zu den oberen Farbschichten werden die blauen Tönungen der Pinselstriche immer dunkler. Es entsteht der Eindruck großer Tiefe des Bildraumes, die das Auge durch das scheinbar chaotisch gewobene Farbnetz zu entdecken vermag. Von diesen Arbeiten mag die Idee für den Ausstellungstitel ausgegangen sein.

Der mittlere, dritte Galerieraum ist der kleinste, enthält aber jene Arbeiten, die dauerhaften Eindruck hinterlassen und am ehesten Rössigers eigene Handschrift ausweisen. Die sechs scherenschnittartigen Collagen von 2003 schildern mit einfachen Mitteln die wundersame Verwandlung von Pit Graumann, dem Graukerl, zum Orangenmann. In ihren einfachen Formen überzeugt die erste aus schwarz bemalten, dann orange gefärbtem Papier geschnittene Hauptfigur. Auf den ersten Blick könnten die erzählenden Bildtitel die Collagen noch als Illustrationen einer Geschichte erscheinen lassen. Doch schon das zweite Hinsehen überzeugt, dass die Arbeiten viel eigene Kraft genug besitzen. Pit Graumann sagt sich „Schluss mit der Schwarzmalerei“, sieht sich „In der Verwirklichung einer Idee – und dann? “Mit wenigen Worten verabschiedete er sich“. Einnehmende Spröde ist den Blättern eigen.

Als guter Grafiker beweist sich Rössiger auch im vierten Raum. Bemerkenswert die zusammengehörigen Zeichnungen „Bewegung 1 + 2“ in Graphit mit bumerangartigen Zeichen, die im Schwarm und als einzelne über die Querformate wirbeln. Mehr als einen Blick sind auch hier die Collagen wert: „Katzentisch“ mit einem hochbeinigen Möbel in Form einer Katze oder die heitere „Fahrt mit der Sonnenfahne“.

Mit den malerischen Arbeiten wie dem älteren, rätselhaften Bild „Besondere Bedeutung“ oder „Die Verwandlung“, die beide das Betrachten mit ihrem Titel belasten, macht sich Rössiger unnötig selbst Konkurrenz. Ebenso müssen seine Plastiken, beide aus der Serie „Tanz der Streichhölzer“ und mit pathetischen Namen wie „Ausgebrannt und Neubeginn“bedacht, und seine Ölpastelle von 2000 hinter seinen grafischen Arbeiten zurücktreten. Als Arbeiter mit Linie und Fläche erntet er die meiste Fortune. Die Premiere verspricht, dass Werner Ruhnkes Galerie für Potsdams kulturelle Landschaft ein Zugewinn wird.

Es bleibt abzuwarten, wie er sein eigenes Profil entwickelt. Am 20. August bereits will er seine nächste Schau mit Fotografien, Drucken und Skulpturen der Berliner Bildhauerin Margret Holz eröffnen.

Bis 8. August in der Galerie Ruhnke, Hegelallee 41. Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr.

28.07.2004 Potsdamer-Neueste-Nachrichten Potsdam-Kultur

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