Sie sind hier: Presse-Echo

Ressort: Potsdam Kultur

Friedliche Gegensätze

Schmetjen und Menzen mit Malerei und Plastik in der Galerie Ruhnke

Wenn ein Galerist in seinen Räumen einen Bildhauer und einen Maler miteinander kommunizieren lässt, denkt er sich etwas dabei. Zurzeit kann man in der Galerie Ruhnke dem stillen Zwiegespräch zweier in Art und Material, Stil und Duktus ziemlich konträrer Künstler lauschen, und heraus kommt eine Art philosophischer Diskurs, der in der Friedlichkeit seine Kraft findet.

An der Wand hängen die Werke von Arno C. Schmetjen, einem Künstler, der 1957 in Helmste in Niedersachsen geboren wurde und seit 1994 in Werder an der Havel lebt. Farbenfroh zumeist, poetisch häufig und reduziert im Einsatz der malerischen Zeichen. Viele kleine Werke sind dabei, aber im Raum zur Hegelallee hängt ein Riesenbild, das nachgerade überraschend daherkommt: auf weitgehend orangefarbenem Untergrund, der offensichtlich durch mehrfache Übermalung diese Konsistenz erreichte, erhebt sich ein mit schwarzem Kohlestrich nur umrisshaft gezeichnetes Gefäß, das Schmetjen: "Das leere Gefäß des Laotse" nennt. Schaut man genauer hin, wirkt der orangefarbene Untergrund schraffiert und gepunktet, wie eine Tischdecke, man muss nur ein wenig den Kopf neigen. Und schon erhält auch die schmale schwarze untere Ebene den Sinn, vielleicht ein Fußboden zu sein. Asiatisch ruhig wirkt das ganze Farbenbild, das von Karl Menzens Edelstahl-Arbeit "...die testa II" flankiert wird. Chromglänzend neigt sich ein glatter, trotz des störrischen Materials weich wirkender Kopf auf dem schmalen Körpergebilde ein wenig nach unten, als wolle diese Figur dem großen Schmetjen-Gemälde auf diese Art seine Referenz erweisen. Karl Menzen, der 1950 im rheinland-pfälzischen Heppingen geboren wurde und seit 1986 in Berlin lebt, arbeitet mit schwer formbaren Materialien. Seine Skulpturen sind meist aus Stahl oder Edelstahl, nur einmal schert eine Arbeit aus dieser Materialität aus: Der "Gegen-Satz" trägt auf einem Stahl-Fuß eine Art dreieckigen Kopf aus Stein, auf dem sich reliefartige Muster herausheben. Gegensätzlich ist hier sowohl die Tatsache, dass die Schwebe, in der sich das Gebilde hält, scheinbar der Erdanziehungskraft widerspricht, aber auch der Kontrast zwischen glänzendem Stahlsockel und derber Stein-Materialität.

Überhaupt arbeitet Menzen mit dem Gegensatz zwischen seinem eigentlich schwerfälligen Material und der Leichtigkeit, der seine Figuren zu gehorchen scheinen: Seine "Transformation umgreifend" besteht aus zwei Stahlplatten, die sich, verbunden durch einen feinen Arm, gegenseitig wie zum Tanz aufforden. Fast schwingen die behäbigen Platten zu einer lautlosen, nicht hörbaren Musik ihren Schritt. Auch die "Versatz – diagonal I – III" eher distanziert betitelten Stahlgebilde wiegen sich in einer Art tänzelnder Harmonie, wozu die Rundungen ihrer Einzelteile beitragen. Menzens Werk ist sehr homogen und versucht sich in allen kleineren und größeren Arbeiten in der Harmonisierung der Gegensätze. Harmonisch sind auch Schmetjens Bilder, allerdings gibt es mehrere Sorten davon: so heben sich seine asiatisch wirkenden, auf Chinapapier gefertigten und an Kalligraphien erinnernden Bilder von seinen Collagen ab.

Diese wiederum unterscheiden sich von den Malereien aus Mischtechnik auf Holzplatte wie das schon erwähnte Laotse-Gefäß. In "Balance" lässt er eine Art Kugel auf dem linken Rand eines schrägen Schildes balancieren, ohne dass die Kugel fällt. Das in Grau und Grüntönen gehaltene Bild zitiert ein anderes, "o.T."-Werk Schmetjens, das im Nebenraum an der Wand hängt und ebenfalls mit einer Kugel, dieses Mal auf dem rechten Rand der sie haltenden Form aufliegt, und deren Tendenz zum Fallen spielt. Die sehr zurückgenommene, sich mit Farbe, Form und zurückhaltender Symbolik auseinandersetzende abstrakte Malerei knüpft an französische Arbeiten der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts an und schafft aber eine eigene Bildsprache. Schmetjen gelingt eine schwebende Leichtigkeit, die in friedlicher Korrespondenz zu den Arbeiten seines Kollegen Menzen steht – so schwingt die Galerie in einer Harmonie, der man ab und zu eine stärkere Dissonanz wünscht. Lore Bardens

Zu einem Konzert für Barock-Cello lädt die Galerie Ruhnke, Hegelallee 41, am morgigen Freitag ab 20 Uhr ein. Es spielen die Potsdamer Cellistinnen Reinhild Cleff und Johanna Oelmüller-Rasch. Eintritt 8/ ermäßigt 5 €.
Reservierungen sind möglich unter Tel. 0331/5058081.

2007 © Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co.