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Zuwachs im Kunstquartier

Die Galerie Ruhnke feiert ihre Neueröffnung mit der Künstlerin Ursula Sax

Von Almut Andreae
Am Wochenende eröffnete die Galerie Ruhnke ihr neues Domizil in der Charlottenstraße. Mit 160 qm, verteilt auf Erdgeschoss und Souterrain, hat sich die Ausstellungsfläche gegenüber dem ersten Galeriestandort an der Hegelallee 41 um ein Drittel vergrößert. An der Hausnummer 122 signalisiert ein Banner an der historischen Fassade in einladendem Gelb eine neue Attraktion für die im Aufwärtstrend liegende Charlottenstraße.

Mit dem sich verabschiedenden Sommer ist die vierjährige Ära in der Hegelallee endgültig abgenabelt. Die Freude über das neue Domizil steht Werner Ruhnke deutlich ins Gesicht geschrieben. Die völlig veränderten räumlichen Gegebenheiten inspirieren zu neuen Präsentationsformen und Ausstellungsideen. Die Innenräume der Galerie erhalten über einen malerischen Innenhof von zwei Seiten Tageslicht. Eine steile Treppe führt ins Souterrain mit seinen intimeren Raumdimensionen. Hofseitig verfügen die Räume im Untergeschoss zum Teil über großzügig einfallendes Oberlicht. Der quadratische Innenhof, jetzt rundum bepflanzt und mit feinem Kies ausgestreut, bietet dem Galeristenpaar Werner Ruhnke und Karin Tondorf nicht nur ein stimmungsvolles Ambiente für Veranstaltungen unter freiem Himmel, sondern auch zusätzlichen Raum, um Skulpturen für den Außenraum wirkungsvoll zu präsentieren. Eine der sich haushoch um das Hofkarree schließenden Mauern hat sich Werner Ruhnke bereits als Projektionsfläche für die Präsentation von Künstlervideos ausgeguckt. Ein weiteres Plus ist die hinzugewonnene unmittelbare Nachbarschaft der Galerien und Kunstvereine im Luisenforum. Auch die im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Gegenwartskunst bestehenden produktiven Kontakte zwischen der Galerie und den beiden hier ansässigen Kunstvereinen dürfte die Kooperation beflügeln.

Für Werner Ruhnke ist die lebendige Verbindung des Potsdamer Kulturerbes mit der Gegenwartskunst mehr denn je oberstes Gebot. Die Fortführung seiner Galerietätigkeit am neuen Standort und die Aufbruchstimmung, die ihn beflügelt, könnte ansteckend wirken. Hier wünscht sich der Galerist nach wie vor klarere Verhältnisse: "Wie viel Moderne traut sich Potsdam eigentlich zu?"

Die Ausstellung der renommierten Künstlerin Ursula Sax ist jedenfalls ein eindeutiges Votum für den Anspruch, mit dem das Galeristenpaar Ruhnke und Tondorf die Präsentation aktueller Kunst in Potsdam betreibt. Zum Einstand im neuen Domizil zeigt die Galerie eine Auswahl an Arbeiten, mit denen sich Ursula Sax aktuell beschäftigt. Die mittelalterlichen Zittauer Fastentücher haben die 1935 geborene Künstlerin zu Wandobjekten aus bemaltem Packpapier inspiriert. Die in Textilkarrees erzählten biblischen Geschichten der Fastentücher hat Ursula Sax in eine offene Form übersetzt. Metallösen und geknautschtes Papier in kräftigen Farben sorgen für eine Optik, die sich von der mittelalterlichen Vorlage weit entfernt und dabei eine ganz eigene Präsenz entfaltet. Viel Raum erhalten in der Ausstellung Arbeiten, die sich kritisch mit unserem heutigen Zeitkonsum beschäftigen. Installationen mit Wanduhren, deren Zeiger stehen geblieben sind oder über das Ziffernblatt rasen, überführen alle Anstrengungen einer optimalen Ausbeute von Zeit in den Bereich des Absurden. 18 Graphiken mit Uhren, die ihre Bestimmung, die Zeit anzuzeigen, konterkarieren, füllen eine ganze Wand, um die Kapriolen der Schnelllebigkeit plakativ zu hinterfragen. Unterdessen zieht an der Decke im Flurdurchgang ein geheimnisvoller Schwarm golden schimmernder "Jesusse" in Gestalt etwa handgroßer Aluminium-Silhouetten seine Bahn. Bildhauerische Arbeiten aus Eisen und Terrakotta im Souterrain sowie eine Filmdokumentation zeigen weitere Facetten von dem einrucksvollen Oeuvre der Künstlerin Ursula Sax, das mehr als ein halbes Jahrhundert umfasst.

Bis zum 9.11. Geöffnet Do-So 14-18 Uhr, Charlottenstr. 122

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