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Ressort: Potsdam Kultur

Dr. Abstrakt

Künstler Manfred Zoller in der Galerie Ruhnke


Wenn einer von der Medizin zur Kunst wechselt, gehört das nicht zu den ganz alltäglichen Dingen. Als Manfred Zoller, 1947 in Zeitz geboren, 1979 seinen Arztkittel an den Nagel hängte und fortan den Weg der freien Kunst beschritt, geschah dies aus innerer Konsequenz.

Was in ihm steckt, hat er seit dem bewiesen. Er ist längst ein erfolgreicher Künstler. Eine Auswahl seiner in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Arbeiten ist seit Freitag unter dem Titel "Manfred Zoller – Malerei" in der Galerie Ruhnke zu sehen.

Gemalt habe er eigentlich schon immer, erzählt der Künstler. Bereits als Medizinstudent lernte er seinen späteren Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Gerhard Kettner, kennen. Von 1980 bis 1983 Meisterschüler Kettners, übernahm Zoller von 1985 bis 1990 an der HBKD die Leitung der Abteilung Künstleranatomie. Seit 1990 ist er Professor für Anatomie und Morphologie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Dass es Manfred Zoller seinerzeit gelungen ist, die Anatomie als eigenes Fach an der Hochschule zu etablieren, erfüllt ihn mit Stolz. Es ist die Anatomie, die sein Interesse an Medizin und Kunst am deutlichsten bündelt. Hier liegt sein eigentlicher Fokus, sein innerer Brennpunkt, den er in seiner Kunst wie in seiner Lehre in gleicher Weise zum Ausdruck bringt. "Dass der Mensch auch noch da ist", sagt Zoller beinahe beschwörend. Das Credo eines Künstlers, in dessen Werken man übrigens nur selten auf menschliche Figuren trifft.

Lediglich zwei, drei Bilder sind in der Ausstellung auszumachen, in denen Figuren oder Porträts – stets gesichtslos – Gegenstand der Darstellung sind. Das Gros der rund 40 Exponate zeigt eine unübersehbare Hinwendung des Künstlers zur Abstraktion. Häufig bilden Dinge der Alltagswelt und immer wieder die Beobachtung der Natur den Ausgangspunkt, von dem Manfred Zoller sich dann, im künstlerischen Akt, malend, schneidend, reißend und klebend, sukzessive vom Gegenständlichen entfernt. "Gebirge", "Schachspieler" oder "Tischdecke" lauten beispielsweise die Titel seiner meist in Eitempera auf Hartfaser gemalten Tafelbilder, seiner Gouachen, Papiercollagen und Objektkästen. Dem suchenden Auge des Betrachters bietet die Offenlegung der Motivwahl ein Stück Orientierung.

Was die künstlerische Bildsprache Manfred Zollers auszeichnet, ist einmal Entschiedenheit zur Reduktion und zum anderen Auflösung als gestalterisches Grundprinzip. Ein Bergmassiv löst der Maler in Farbflächen auf. Von der zackigen Silhouette des Bergkamms bleiben in der fertigen Komposition markante Dreiecksformen zurück.

Spannend auch die filigranen Skulpturen. Von den aus einem Materialmix von gebogenem Draht, Gips, Holz und Gummibändern montierten, originellen Geschöpfen hätte man gerne noch mehr gesehen. Der Wille zur Reduktion als gestalterischem Impuls ist hier, in den plastischen Arbeiten des Künstlers, sozusagen mit Händen zu greifen. Mehr noch als in der Malerei wird des Künstlers Faszination für die äußere wie innere Struktur und Beschaffenheit des Körpers transparent. Eine unbetitelte Bronze gibt den Blick in einen geöffneten Tierleib frei: Rückgrat und einzelne Rippen sind zu erkennen. Gespannte Gummis stehen für Muskeln und Bänder, markieren den Glieder- und Bewegungsapparat.

Das Formen- und Ausdrucksspektrum innerhalb der Schau in der Galerie Ruhnke ist vielfältig, zeigt ernste und humorige Facetten und reicht über eine reine Präsentation von Malerei weit hinaus.
Almut Andreae

bis 2. Juli, Do bis So, 14 - 19 Uhr

2000 © Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co.

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