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"Bis ins Detail"

Falko Behrendts "Gärten der Erinnerung" bei Ruhnke

Der goldene Herbst hält Einzug in die Stadt, die Wege und Gassen sind von orangegelben Laub-Tupfern bedeckt, und alle Menschen zieht es nach draußen. Wie mit feiner Feder porträtiert Falko Behrendt ihr Treiben, lässt sie groß wie Häuser oder klein wie Pflanzen erscheinen, kreuzt ihre Silhouetten mit Dächern und Schornsteinen, bis der Betrachter glaubt, gar nichts mehr zu erkennen auf dieser großformatigen Radierung – obwohl er doch alles und jeden bis ins kleinste Detail vor sich sieht. Auch der schwarze Aquarell-Smog, der auf diese Großstadt regnet, will erst entdeckt werden.

Eine ganze Stadt darzustellen – kann ein Künstler das schaffen? Falko Behrendt nähert sich dem in seinen Bildern zumindest an. Unter dem Titel "Gärten der Erinnerung" sind diese künstlerischen Annäherungen derzeit in der Galerie Ruhnke zu sehen.

Die feinen, schwarzen Linien der Radiernadel geben in Behrendts Bildern die Formen vor, die Druckfarben füllen sie mit Leben. Dem knalligen Wimmelbild "Indian Summer" gegenüber hängt ein Gemälde, das ganz anders wirkt, die "Landschaft mit grünem Haus". Auch hier wird eine Welt aus filigranen Federstrichen gezeigt. Statt in leuchtendem Gelb hervorzutreten, scheint sie aber in graubraunem Schlamm zu versinken. Ein blauer, dreieckiger Dampfer pflügt durch das grünliche Schlickwasser, beobachtet vom grünen Haus.

Falko Behrendt, der 1975 sein Diplom als Maler und Grafiker in Dresden erhielt, stellt bereits zum dritten Mal in der Galerie Ruhnke aus. Dass es ihm nicht um Abbilder der idealisierten Realität gehen kann, stellen spätestens seine Gartenbilder klar, in denen feine Farbstiftschraffierungen wuchernde Blumen, Pflanzen, Schneckenhäuser und Samenkapseln in flammenden Farben formen – eindeutig von der Natur inspiriert, aber fantasievoll abstrahiert und perspektivisch oft uneindeutig. Zeichnete Behrendt hier vielleicht ein Abbild seiner Erinnerung? Auch in anderen Bildern arbeitet er immer wieder nur stellenweise Details aus, während er gewisse Bildelemente schemenhaft skizziert, ganz so, als hätte er sie vergessen. Dann tauchen wiederum Froschkönige und Elefanten in biederen Waldszenen auf – als würde er sich an zu viel erinnern.

Interessant sind auch die großen, bauchigen Keramikvasen, die ebenfalls bemalt sind. Ganze Städte scheinen sich um die Keramik zu wickeln. Aber die Wiesenstücke, Stadtwelten und Landschaften, die Falko Behrendt auf dem Papier entstehen lässt, sind in ihrer Detailfülle in kurzer Zeit kaum zu fassen. Seine Drucke könnten Abende füllen – Abende des reinen Bilder-Betrachtens.

Linda Huke

Die Ausstellung in der Galerie Ruhnke, Charlottenstraße 122, ist noch bis zum 10. März zu sehen. Geöffnet ist die Galerie von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Erschienen am 22.02.2013 auf Seite 26

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Annäherung an eine Landschaft IV. Falko Behrendts Farbradierung im Ausschnitt.

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