Sie sind hier: Presse-Echo

Potsdam-Mittelmark 19.05.2014

KulTOUR
Bilder einer unbekannten Reise
von Gerold Paul

Drei Künstler stellen ihre Werker im früheren Caputher Resi-Kino aus

Schwielowsee - Ein Kino aus dem Jahre 1936 als Wohnhaus ist ja schon ungewöhnlich genug, aber ein Kino und Wohnhaus auch noch als Galerie für die moderne Kunst? Im Caputher "Resi" ist das nicht nur seit mindestens zwei Kunsttouren möglich. Möglich machte es die Inhaberin Reina Marten auch einer Anfrage des Potsdamer Galeristen Werner Ruhnke, gerade hier drei Künstler aus der Region für gut zwei Wochen vorzustellen. Neue Kunst also im alten Kino.

Dass die Künste der Gisela von Bruchhausen, Mikos Meininger und von Frank-Michael Zeidler der personengebundene Ausdruck dieser Zeit sind, versteht sich von selbst, allerdings darf man die Zeit nicht allzu personengebunden nehmen, sonst wird man zur Strafe ein fliegend-irrender Geist. Drei Wege, drei Handschriften, alle mit dem Thema Abstraktion und ihrer Begründung verbunden. Neues finden!

Ganz intuitiv misstraut Gisela von Bruchhausen allem Vertrauten, Einfachheit sei ihr Ziel. Wie sie das versteht, kann man unter Titeln wie "Galan", "Escape" oder "Ogival" in unterschiedlichen Farbkombinationen betrachten. Die Metallbildhauerin nutzt und betont den verfügbaren Raum dreidimensional, geht von Kontrasten oder gemutmaßten Widersprüchen wie gerade-gekrümmt, starr-beweglich oder flächig-räumlich aus, welche sie in einer weiteren Dimension aus Kälte und Strenge miteinander verschachtelt und variiert. Solche Meditations-Objekte benötigen den Lebensimpuls eines Betrachters, sonst bleiben sie kalt, und stumm.

Frank-Michael Zeidler stammt aus Leipzig. Er ist vor allem mit Guachen, mit Bleistiftzeichnungen und Malerei vertreten. Seine Doppelbilder lassen viel Raum für die allgemeine Assoziationskraft: links ein blassfahles mit nur Andeutungen von Pinselspuren, rechts geht es kräftiger zu. Paare könnten das sein, was immer man darunter versteht. Seine Acrylbilder sind farblich sehr raffiniert aufgebaut, oft gespachtelt. Es könnten Landschaften in Draufsicht sein, Körper von innen, oder einfach "B/501, orange gelb zwo". Auch jenes "ZKII/504 Zeichnung Paare klein 1" ist sehenswert, Abstraktion der Abstraktion sozusagen, das begreift jeder Schelm.

Mikos Meininger hatte seinen Auftritt just bei den Potsdamer "intersonanzen". In Caputh stellt er sich mit Arbeiten älteren Datums vor, Guachen, Lithos, Siebdrucke, und mit einem großformatigen "Sommergedicht" in Acryl, Weiblein und Männlein im steten Geschlechterkampf zeigend, gut abstrahiert; versteht sich. Sein Credo gilt der Suche nach dem, was einen Menschen ausmacht, aber im Unbewussten bleibt, ihm geht es also um Bilder, "die man eigentlich nicht malen kann". Das ist im Resi sichtbar. Seine Titel sind poetisch, sein Stil ein wenig kompliziert. Er führt den Betrachter "An glasig grüne Meeresufer", zu einem "ins Stumme entglittenen Ich", oder hin zu "Ankunft und Echo".

Der Bildaufbau wirkt fahrig, der Pinselstrich kraftvoll, manch figürliche Anmutung scheint wie Kalligrafie zu sein. Dieser Maler versteht seine Kunst ja als gesprochenen oder verschwiegenen Text, als Schweigen inmitten des Redens. Nur keine reinen Farben! Alles Bilder einer unbekannten Reise, die in diesem alten Provinzkino endet, oder aber beginnt. Gerold Paul

bis 1. Juni Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Caputh, Straße der Einheit 41 .
Am 23. Mai abends wird die französische Akkordeonistin Christine Paté im Resi Tango Nuevo und andere Feinkost präsentieren.
Erschienen am 19.05.2014 auf Seite 11



Copyright © Potsdamer Neueste Nachrichten und Potsdam TV

Nach oben