Sie sind hier: Presse-Echo

Potsdam Kultur
18.06.2004



"Neue Räume für die Kunst"
Werner Ruhnke eröffnet heute eine Galerie in der Hegelallee 41

Es spricht für Werner Ruhnkes Mut, in einer Zeit, in der so manche Galerien in Potsdam schlossen, eine zu öffnen, und zwar in der Hegelallee 41. "Natürlich ist es schwer, Kunst zu verkaufen , denn die Einkommensverhältnisse vieler Menschen sind nicht sehr blendend. Aber dennoch muss die moderne Kunst eine Lebenschance haben und die Künstler Möglichkeiten, ihre Werke an den Mann und an die Frau bringen zu können", sagt Werner Ruhnke. Er weiß, dass auch diese Neueröffnung ein Risiko in sich birgt, aber er will es auf jeden Fall versuchen.

Dafür hat er ein traumhaftes Areal ausgewählt, ein restauriertes Gebäude aus dem Ende des 18. Jahrhundert. Gut 120 Quadratmeter umfassen die Räume im Hauptgebäude und in der sich anschließenden Remise. Werner Ruhnke erhofft sich regen Besuch – die Galerie ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet – von Potsdamern, aber auch von Besuchern der Stadt. Viele von ihnen gehen an diesem Haus in der Hegelallee vorbei, hoffentlich, so Ruhnke, kommen sie auch in die Galerie. Sie liegt schließlich auf dem Weg zum weltberühmten Park Sanssouci. "Der Ruf Potsdams als Stadt der Kultur und Kunst darf sich nicht nur auf die historischen Gebäude und Kunstwerke beschränken. Wir müssen alles dafür tun, dass zeitgenössische Kunst hier ebenfalls eine gute Heimstatt hat." Das Potenzial an Galerien in Potsdam, so Werner Ruhnke, sei noch nicht ausgeschöpft. Er hoffe mit den Galeristenkollegen auf einen fairen Wettbewerb und auf eine gute Zusammenarbeit. Mut muss man Ruhnke auch deswegen bescheinigen, weil er ein Galerie-Neueinsteiger ist. Zwar hat er, der als hochrangiger Gewerkschaftsfunktionär im Land Brandenburg jahrelang tätig war, Kunstausstellungen für Betriebe und Institutionen konzipiert, doch er weiß, dass mit der Betreibung einer Galerie andere Anforderungen an ihn gestellt werden. Aber die Kunst spielte bei Werner Ruhnke schon immer eine Rolle in der Gestaltung der Lebensqualität.

Zwischen sechs bis acht Ausstellungen will der Galerist jährlich veranstalten. "Bei der Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern will ich unbedingt über den Potsdamer und Brandenburger Tellerrand schauen. Aber auch Maler, Grafiker oder Bildhauer der Region sollen selbstverständlich in meiner Galerie ausstellen können. Einzig die Qualität zählt".

Als Künstler der ersten Ausstellung konnte Werner Ruhnke den Berliner Andreas Rössiger gewinnen. Er zeigt einen Querschnitt von Grafiken, Collagen , Malerei und Skulpturen, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind. "Und all die Bilder von dem selben Künstler", schrieb Katharine Wiethe in dem Buch "Lächeln aus Stein" (Aphaia Verlag), in dem sich neben Texten von dem Schauspieler Ulrich von Dobschütz auch Reproduktionen von Andreas Rössigers Bildern zu finden sind. "Er versteht es, sich der Möglichkeiten der Farbe, der Grafik, der Collage so vielfältig zu bedienen, dass sie in Fülle ausgeschöpft sind. Und nie ist es Willkür. Es ist eine Gabe des Künstlers", schreibt Katharine Wiethe weiter. Die Bilderwelt Rössigers bleibt im abstrakten Bereich. Reduktion ist ihm dabei von großer Wichtigkeit. Wartet er beispielsweise auf dem einen Bild nur mit der Farbe Blau auf, der er alles Starre nimmt, so findet man dazwischen auch ein Stillleben, mit dem er in spielerischer Weise umzugehen vermag. Eine Ausstellung, die man man mit Freude betrachten kann. Ein guter Start für den Galeristen Werner Ruhnke.
Klaus Büstrin

Andreas Rössiger, Zwischenräume, 18. bis 8. August, Di bis So 14 bis 19 Uhr, Galerie Ruhnke, Hegelallee 41.

2000 © Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co

.