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Potsdam-Kultur (15.03.11)

Gedankenflug
Die Galerie Ruhnke zeigt einen Ausschnitt aus dem grafischen Werk von Falko Behrendt

In den „Garten der Riesen“ hat sich Falko Behrendt in seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Ruhnke gewagt. Die Silhouette einer großen grauen Figur auf der gleichnamigen Radierung ist durchsetzt von kleinen Tierschatten. Elefanten, Nilpferde, Katzen und Enten tummeln sich über das Blatt. "Zuerst wollte ich eine ganz klare Figur schaffen, aber dann hat sich der Umriss immer weiter aufgelöst und es erschien mir spannender, den Riesen mit einer Binnenzeichnung verschwinden zu lassen", schildert Behrend den Entstehungsprozess des Blattes. Um zu dem letztlich ausgestellten Druck zu gelangen, hat der Künstler mit verschiedenen Radierplatten experimentiert, Eingraviertes verändert, schon Gedrucktes wieder abgedeckt. So zieht nun eine Karawane von Tieren durch die sandfarbene Umgebung des Riesen und macht auch vor der großen Märchengestalt nicht halt.

Märchen und Erzählungen sind häufig der Ausgangspunkt für die Zeichnungen und Radierungen von Behrendt. Die "Kleine Meerjungfrau" grüßt, "Die Schneekönigin" schaut vorbei und auch "Der fliegende Koffer" stellt sich ein. Der Bezug auf die Märchen des Dänen Hans Christian Andersen ist kein Zufall. Immer wieder verbrachte der 1951 in Torgelow geborene Künstler längere Zeit in Kopenhagen bei Arbeitsaufenthalten in der Lithowerkstatt der Edition Copenhagen. Seit seinem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden arbeitet Behrendt als freischaffender Künstler. Dabei nutzt er rege Arbeitsmöglichkeiten, die sich ihm außerhalb seines Ateliers bieten. In der Werkstatt, in der auch der bekannte Grafiker Horst Jansen arbeitete, hatte Behrendt Gelegenheit, mithilfe von Assistenten mit verschiedenen Druckverfahren und Techniken zu experimentieren. "Das wurde einige Zeit gesponsert. Druckgrafik, wie ich sie mache, ist ein sehr kostspieliger Prozess", beschreibt der Künstler seine Arbeit. Häufig müssten viele Andrucke gemacht werden, bis sich das gewünschte Ergebnis einstelle, das Einfetten des Steines für Lithografien, die Herstellung der Kupferplatten für Radierungen, all das seien aufwendige Schritte um zum endgültigen Bild zu gelangen. Zudem sind die Drucke von Behrendt häufig Unikate, die durch die Kombination verschiedener Druckvorlagen entstehen. Höhere Auflagen druckt Behrendt selten. Als der Reclam Verlag Behrendt 1982 einlud, sich an der Illustration eines Gedichtes von Majakowski zu beteiligen, kombinierte der Künstler seine zeichnerische Grafik mit Fotografien, was er allerdings später wieder aufgab: "Da habe ich mich zu sehr eingeschränkt gefühlt."

Wie wichtig ihm der freie Flug der Gedanken und Assoziationen ist, zeigt deutlich die Ausstellung. Ob Behrendt von einem munteren städtischen Leben, eingefangen im "Regentropfen", erzählt, oder der Kaiser ohne seine neuen Kleider nackt vor der lachenden Menge steht, nie sind die Blätter illustrativ, stets öffnen sie sich für den Gedankenflug. Damit unterscheiden sich die Grafiken des Künstlers deutlich vom sozialistischen Realismus, wie ihn die DDR verordnete. Trotzdem war Behrendt 1980 und 1983 Preisträger des staatlichen Kunsthandels der DDR. Dass seine Kunst auch im wiedervereinigten Deutschland anerkannt wird, zeigt die Verleihung des Kunstpreises der in Offenbach am Main ansässigen Senefelder Stiftung im Jahr 1998.

"Vom hauchfeinen Liniengespinst bis zum plakativen Paukenschlag reicht das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten", bemerkt der Galerist Werner Ruhnke in seiner Eröffnungsrede am Wochenende. Als Themen der Ausstellung hebt er die drei Komplexe Märchen, Gärten und Häfen, die symbolisch für das Erlebnis exotischer Welten und das Fernweh stünden, hervor.

Feingliedrigkeit und sichere Intuition im Umgang mit den grafischen Mitteln finden sich auf allen Blättern der Ausstellung. Vereint in einem abgerundeten Themenspektrum zeigt die Galerie einen stimmigen Auszug aus dem Werk eines mittlerweile knapp 60-jährigen Künstlers, das nichts von seiner künstlerischen Könnerschaft verloren hat. Beginnend mit dem fragilen Blatt "Gelb und Schwarz" spannt sich der Bogen bis zum 2008 entstandenen "Hofstaat". Gerade die gelegentlich zufällig wirkende Kombination von kleinteiligen, wuselnden Bildelementen und großzügigen Farbflächen macht den Unterschied der Arbeiten des Künstlers zur Illustration deutlich. Behrendt bebildert kein Thema, sondern schafft Assoziationsräume, in die der Betrachter immer wieder eintauchen und in denen er lange Wanderungen unternehmen kann. Richard Rabensaat

Noch bis zum 1. Mai, donnerstags bis sonntags, 14-18 Uhr, in der Galerie Ruhnke in der Charlottenstraße 122

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