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Ressort: Potsdam Kultur

In Balance


Hubertus von der Goltz und Claudia Berg stellen in der Galerie Ruhnke ihre Arbeiten aus

Von Almut Andreae
Die Kunst der inneren Balance wird in der aktuellen Ausstellung der Galerie Ruhnke spannungsvoll austariert. Auf sichelartigen Bögen, die sich in eleganten Schwüngen in den Raum verklammern, setzen die Gratwanderer von Hubertus von der Goltz behutsam Fuß vor Fuß. Der vorsichtig tastende Schritt wird zum Drahtseilakt, die ausgebreiteten Arme halten die Figur im Gleichgewicht. Für den Künstler wird das Bild des balancierenden Menschen zum Leitmotiv für seine Kunst wie für seinen Blick auf die menschliche Existenz: "Derjenige, der balanciert, muss sich auf sich selbst und seinen Weg konzentrieren." Kernbotschaft und künstlerisches Credo des international renommierten Bildhauers und Künstlers Hubertus von der Goltz, dem Galerist Werner Ruhnke im Rahmen seiner Sommerausstellung, in der er gleichzeitig auch die Künstlerin Claudia Berg präsentiert, eine angemessene Bühne bereitet.

Von der Potsdamer Öffentlichkeit vermutlich eher mit dem KunstHaus Potsdam e.V. in Verbindung gebracht, ist Hubertus von der Goltz als Künstler vor Ort bislang wenig in Erscheinung getreten. Dies ist erstaunlich, führt man sich den Umfang seines bildhauerischen Oeuvres und seiner rund um dem Erdball anzutreffenden Objekte im öffentlichen Raum vor Augen. Die nun bei Ruhnke gezeigten Arbeiten bleiben im Innenraum und zeigen, wie der Künstler auch das kleine Format mühelos beherrscht. Dabei wird die Beziehung zwischen einer Skulptur und dem Raum, in den sie hineingestellt ist und in dem sie sich behaupten muss, für den Künstler stets zur Herausforderung in Bezug auf Proportion und Raumgefühl. Charakteristisch für den einst aus der klassischen Bildhauerei kommenden Künstler ist seine konsequent durchgeführte Abstraktion der Figur zum Zeichen: Den balancierenden Mensch gibt Hubertus von der Goltz nicht plastisch, sondern als Umriss und damit an einen Scherenschnitt erinnernd, mithin ganz auf die Silhouette reduziert. Einen zusätzlichen Reiz erhalten die aus Metall gefertigten Arbeiten dabei durch den Schattenwurf vor der weißen Wand.

Den insgesamt 17 Exponaten des Bildhauers sind in der Ausstellung 30 Graphiken und Bilder von Claudia Berg gegenübergestellt. Von der 1976 geborenen Hallenserin, die ihre Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein erhielt, hinterlassen insbesondere ihre Kaltnadelradierungen einen bleibenden Eindruck. Am liebsten ritzt Claudia Berg in die alten Kupferplatten von abgedeckten Dächern. Die Spuren des Gebrauchs schwingen in den Radierungen leise mit und beleben die durchweg gegenständliche Szenerie wie mit einem feinen Hintergrundgespinst. Das motivische Spektrum ist weit gespannt: Einsame Landschaften, biblische Motive sowie kleine erotische Szenen – sie sind besonders delikat – hat die Künstlerin zu Papier gebracht. Abhängig davon, ob Claudia Berg einen einsamen "Wolf", eine "Weide in Wiepersdorf", einen "Direktor" oder "Leda mit dem Schwan" in die Platte prägt, entstehen Drucke gänzlich unterschiedlicher Stimmung. Das Charakteristische eines Motivs, beispielsweise einer Breughel-Landschaft, wird in der graphischen Arbeit Claudia Bergs noch einmal verdichtet und atmosphärisch extrapoliert. Handwerklich hat sich die Künstlerin an namhaften Vorbildern der Kunstgeschichte geschult und sich auf zahlreichen Reisen Inspirationen geholt. All dies fließt in die eigene Kunst mit ein, findet sich in ihr verinnerlicht und sucht sich neuen Ausdruck.

Die in der Ausstellung gezeigten Ölbilder entstanden 2004 während eines Stipendienaufenthalts auf Schloss Wiepersdorf und zeigen charakteristische Orte und Landschaften des Niederen Flämings. Auch wenn die Kaltnadelradierung für Claudia Berg das kongeniale Medium zu sein scheint, das auch in Zukunft im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit stehen dürfte, möchte sich die Künstlerin künftig zunehmend der Malerei und Farbe widmen.

Hier in der Ausstellung jedoch dominiert das Ausloten der Kontraste von Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß und die Suche nach dem ganz eigenen Weg, in dem Künstler und Künstlerin sich, ein jeder auf seine Weise, stimmig begegnen.

Hegelallee 41, bis 12. August, geöffnet Do/Fr 14-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

2007 © Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co.

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