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Potsdam-Kultur

Kostproben aktueller Kunst

Malerei, Druckgraphik und Skulptur von acht Künstlern in der Galerie Ruhnke

Von Almut Andreae
Vor allem "frisch" sollten sie sein, also erst kürzlich entstanden, kommentiert Galerist Werner Ruhnke die von ihm aktuell gezeigte Kunst. "Arbeiten 2010" nennt er seine Ausstellung im Übergang vom alten zum neuen Jahr. Zu sehen ist Druckgraphik, Malerei und Skulptur von acht Künstlerinnen und Künstlern, hervorgegangen ausnahmslos aus dem Jahr 2010. Bis auf Malkin Posorski und Ute Hoffritz gehören die Künstler, die aktuell ausstellen, schon länger zum Galerieprogramm.

Die Verbindung zum Berliner Künstler Andreas Rössiger, erzählt Werner Ruhnke, währt mit Abstand schon am längsten. Eine Einzelausstellung mit Rössiger bildete vor sechs Jahren den Auftakt der Galeriearbeit. Seine neuen Arbeiten in Mischtechnik auf Papier hat der gelernte Grafik-Designer mit weißer Farbe grundiert. Später mit spitzen Werkzeugen das zum Teil geknitterte Papier geritzt und mit dynamischem Pinselschwung schwarz getuscht. Die so entstandenen abstrakten Kompositionen sind kraftvoll; sie verströmen Optimismus und Vitalität.

Neben ihm entfalten vier großformatige Gouachen von Roswitha Grüttner eine ganz eigene Präsenz. Festgehalten sind Impressionen einer Italienreise der Künstlerin im vergangenen Jahr. Spezielle Stimmungen überträgt sie in farbsensible Papierarbeiten, die nicht unnötig in Details verweilen. Eher ist es die Unverwechselbarkeit einer bestimmten Landschaft oder Atmosphäre, die Grüttner in ihren lyrischen Italien-Bildern einfängt. Ihre besondere Sensibilität im Umgang mit Farben teilt sich auch in früheren Arbeiten der Künstlerin mit, die im Souterrain gezeigt werden. Es rundet die Gesamtwirkung der Ausstellung ab, dass auch von anderen der zurzeit im Erdgeschoss vertretenen Künstler ältere Werke im Untergeschoss der Galerie zu sehen sind. Ein Vergleich der früheren Arbeitsweise eines Künstlers mit seiner aktuellen Handschrift hat seinen ganz eigenen Reiz. Wer Arbeiten von Frank Gottsmann beispielsweise der achtziger Jahre kennt, lernt angesichts seiner bei Ruhnke gezeigten aktuellen Papierarbeiten eine sich zunehmend befreiende Seite des Künstlers kennen.

In dieser Hinsicht durchaus vergleichbar, löst sich der vorzugsweise mit dem Material Holz arbeitende Bildhauer Stephan J. Möller, der sehr aus der figürlichen Darstellung kommt, in zunehmendem Maße vom Gegenständlichen. Unverkennbar vollzieht er den Weg bildnerischer Abstraktion. Wesentlich reduzierter noch in der Formensprache als die Köpfe und Torsi von Möller sind die Betongüsse von Ute Hoffritz. Entstanden in limitierter Auflage eröffnen die Arbeiten mit Titeln wie "Ausfahrt" oder "Barke" Assoziationsräume, ohne von ihrer Formgebung her beschreibend zu sein. "Geflutet" nennt die Bildhauerin einen zweiteiligen Betonguss auf hohem Sockel. Von der Funktion eher modellhaft, deutet sich in dieser Kleinplastik an, was die Künstlerin beabsichtigt, in größerem Format auszuführen. Die künstlerische Arbeit ist dann vollendet, wenn sie buchstäblich umflutet sein wird. Als Installation im Wasser ist sie im kommenden Frühjahr in der Skulpturenausstellung im Findlingsgarten am Seediner See zu sehen.

Die Faszination für das Wasser verbindet Ute Hoffritz offenkundig mit einer weiteren Neuentdeckung der Galerie Ruhnke. Erstmalig sind hier Arbeiten der Malerin und Filmemacherin Malkin Posorski zu sehen. Nach Jahren des Unterwegsseins im Ausland lebt die Künstlerin mittlerweile in Caputh am Schwielowsee. Ihr Thema ist, wie ihre aktuellen großformatigen Papierarbeiten eindrucksvoll belegen, das Wasser. Fasziniert von der asiatischen Kunst und Kultur lässt sich Malkin Posorski erkennbar von den Maltechniken und der Ästhetik des asiatischen Kulturraums inspirieren. Doch entwickelt sie daraus etwas ganz eigenes, indem sie die Tuschzeichnung mit Blei, Foto und Acryl kombiniert. Die meditative Grundstimmung ihrer Kunst wird an der gegenüberliegenden Wand von den Ölcollagen auf Leinen oder auf Karton des Berliner Malers Christian Heinrich erwidert. Wenngleich der mit Papier auf die vielfältigste Weise experimentierende Künstler einen gänzlich anderen Ausdruck sucht.

Eine weitere Variante in der Ausstellungskonstellation mit acht Künstlern ergibt sich durch die Radierungen von Claudia Berg. Während von der Künstlerin aus Halle im Souterrain der Galerie Potsdamer Motive wie das Alte Rathaus oder das Neues Palais zu sehen sind, gibt es oben Kostproben ihrer neuesten Produktion: Kaltnadelradierungen, zu denen sich Claudia Berg durch Gedichte aus der Feder Heinrich Heines anregen ließ.

Noch bis zum 27. Februar,
donnerstags bis sonntags, 14-18 Uhr, in der Galerie Ruhnke, Charlottenstraße 122

© Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co. KG

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