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Ressort: Potsdam Kultur

Ein Leuchten

Hermann Bachmanns eindrucksvolle Bilderwelt in der Galerie Ruhnke

Von Almut Andreae
Ein intensives Leuchten geht von diesen Bildern aus. Orangegelb harmoniert mit Königsblau, Weinrot mit Tannengrün. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich manch eine dieser Farbkompositionen als Frauenkopf oder Figur. Kraftvoll und souverän hat der Maler die reine Farbe auf weißen Karton gesetzt.

Auf den zweiten Blick wird der Betrachter seinen ersten Eindruck möglicherweise korrigieren. Diese Bilder sind nicht wirklich heiter, obgleich die Frische und Unmittelbarkeit der intensiven Farben auf Anhieb Spontaneität und Lebensfreude suggerieren. Sie tauchten in der Malerei des siebzigjährigen Hermann Bachmann auf als Reaktion, als Antwort auf eine Herausforderung auf etwas, mit dem es galt fertig zu werden. Diese Bilder entstanden Anfang der neunziger Jahre unter dem Eindruck der Krebsdiagnose, die den Maler Bachmann in den letzten Jahren seines Lebens künstlerisch in neue Dimensionen vorstoßen ließ.

Ein Ausschnitt aus dem Lebenswerk des zwischen 1957 und 1987 an der Hochschule für Bildende Künste (jetzt HdK) Berlin lehrenden Maler-Professors Hermann Bachmann ist derzeit in der Galerie Ruhnke zu sehen. Mit der Ausstellung hat sich Werner Ruhnke einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Seit vielen Jahren ist er von der Malerei Hermann Bachmanns, die 1989 und 1992 in zwei repräsentativen Einzelausstellungen der Staatlichen Kunsthalle Berlin gewürdigt wurde, eingenommen. Als der Galerist in Vorbereitung seiner Ausstellung Gisela Bachmann, die Witwe des 1995 seinem Krebsleiden erlegenen Malers, aufsuchte, öffnete sie ihm bereitwillig ihre Schränke. Zum Vorschein kamen dabei auch jene Bilder, die nun bei Ruhnke erstmalig öffentlich gezeigt werden. Die Tatsache, dass der mit seiner Krankheit ringende Maler in den letzten Jahren seines Lebens die leuchtende Farbe zu seinem Credo erhob, hinterlässt dank der Ausstellung einen bleibenden Eindruck. Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, welche prominente Rolle das Grau die Malerei Hermann Bachmanns über viele Jahrzehnte hinweg prägte. Am Ende seines Lebens angekommen, lässt der Maler die Farbe triumphieren, auch wenn das Grau, das Weiß und das Schwarz die Bildtektonik weiter mitbestimmten.

Die Potsdamer Ausstellung offenbart nicht nur den unbekannten Bachmann. Auch die aus früheren Schaffensjahren bezeichnende Manier des ursprünglich gelernten Schriftsetzers, seine Bilder mit Buchstaben und chiffrenartigen Schriftzeichen zu bevölkern, lässt sich hier an zahlreichen Beispielen beobachten. Wer sich von diesen Zeichen eine erleichterte Lesbarkeit der häufig rätselhaften Bildsprache Hermann Bachmanns erhofft, wird indes enttäuscht. Dem Maler ging es nicht unbedingt darum, um Verständnis zu werben. Letztlich war er in seiner Kunst bedingungslos und formte sich malend seinen eigenen Kosmos. Die Schwere des Lebens, die Erfahrung von Leid und Tod spiegeln sich in dem motivischen Repertoire, allen voran das Kreuz und die strichmännchen- und gerippeartigen Figuren, wider. In einem lange zurückliegenden Gespräch mit seinem Freund Robert Kudielka, der bei der Ausstellungseröffnung am 7. Dezember die Einführungsrede hielt, hat Hermann Bachmann einmal bemerkt: "Todesinhalte begegnen mir seit meiner Geburt: Zangengeburt, Krieg und Verwundungen, Tod meines Vaters, Tod meiner Tochter und das ganze Leben. Darin gibt es keine Steigerung."

Der 1922 geborene Hallenser Künstler Hermann Bachmann hat das Kreuz auf sich genommen. Er galt als eigenwillig, mitunter exzentrisch. 1953 ist er nach West-Berlin übergesiedelt. 1968 hat er einen großen Teil seiner Arbeit vernichtet, um sich als Künstler neu auszurichten. Nachdem er seiner Lehrverpflichtungen entbunden war, ließ sich Hermann Bachmann noch einmal ein auf eine intensive Schaffensproduktion. Wohl auch, um sich malend seiner Krankheit zu stellen. Zurückgezogen und ganz auf sich konzentriert, wurden die Bilder der letzten Jahre immer mehr zu einem Zwiegespräch mit sich selbst. Vielleicht deshalb sind seine späten leuchtend farbigen Bilder so einprägsam, so authentisch.

Die Ausstellung "Hermann Bachmann. Malerei" ist bis zum 13. Januar in der Galerie Ruhnke zu sehen:
Do/Fr 14-18 Uhr und Sa/So 11-18 Uhr.

© Potsdamer Zeitungsverlags GmbH & Co.

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