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Das Sein und die Geometrie
von Richard Rabensaat

Die Galerie Ruhnke zeigt Bilder von Johannes Geccelli und Skulpturen von Achim Pahle
Alles sei bei seinen Bildern in der Schwebe, erläutert Johannes Geccelli: "Die Klarheit und das Lichtvolle des Italienischen im Gegensatz zum Mystischen des Ostens, das Geheimnis dieser endlosen Weite des Blicks am Meer, weit und nicht fassbar und gleichzeitig die Notwendigkeit, beides klar zusammen zu sagen."

Das Klare und Lichtvolle. Die Bilder von Johannes Geccelli im Dialog mit den Skulpturen von Achim Pahle. Foto: Manfred Thomas

Die Galerie Ruhnke zeigt Bilder des Malers. Mitte dieses Jahres ist der 1925 in Königsberg geborene Geccelli verstorben. In seinen vollständig abstrakten Bildern sah der Maler auch den Widerhall der Landschaft Brandenburgs, wo er in den letzten Jahrzehnten seines Lebens wohnte. Die Ausstellung kombiniert Bilder Geccellis mit Stahlskulpturen von Achim Pahle. Die hohen, dünnen Drahtskulpturen des engen Freundes des Malers harmonieren ideal mit den meist eher kleinen Leinwänden des ehemaligen Hochschullehrers aus Berlin. Die Bilder und Skulpturen würden zum Nachdenken über "das Andere, eine im übrigen keineswegs ausgesprochene transzendente Dimension" auffordern, findet die Kunstwissenschaftlerin Ursula Prinz, die zur Eröffnung in die Ausstellung einführte.

Die hohen, dünnen Gestelle Pahles, die einfarbigen Bilder Geccellis, unterbrochen von einem dünnen Spalt in der Mitte, bespielen den Raum, die Fläche, die Materialien von Bild und Skulptur, ohne unmittelbar eine weitere Dimension zu benennen. Die über das Bild und die Skulptur hinaus führenden Konnotationen entstehen im Kopf des Betrachters. Denn der ist geneigt, das Volumen der fragilen Gestelle und den Raum, der möglicherweise durch den Spalt in den Bilder Geccellis eröffnet wird, mit zu denken. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Bilder aus dünnen Strichlagen zusammengesetzt sind. Der Bildhauer hat nicht nur dünne Drähte an ihren jeweiligen Enden zu geometrischen Formen zusammengefügt, sondern auch gestanzte Eisenplatten als Druckvorlage für Prägungen in Bütten verwendet. So sind leichtgewichtige Druckwerke entstanden, die wiederum mit den farbig gestuften Aquarellen Geccellis korrespondieren. Ein Dialog der konstruktiven Kunstwerke entsteht, der vermutlich ähnlich in den Ateliers der beiden Künstler in Jühnsdorf und Sahlow stattgefunden hat. Die Gemeinsamkeit der Bildsprachen der beiden Freunde hatte sie schon vor längerer Zeit veranlasst, eine gemeinsame Ausstellung zu konzipieren. Nun hat die zweite Frau des Malers, Regina Geccelli, eine zierliche und dabei ausgesprochen stilvolle und lebhafte Dame, die Ausstellung gemeinsam mit dem Bildhauerfreund ausgerichtet.

Geccelli und Pahle verband nicht nur eine ähnliche künstlerische Haltung, sondern auch eine Freundschaft zu dem Bildhauer Georg Rickey, den Geccelli kennen lernte, als Rickey DAAD-Student in Berlin war. Der Amerikaner vermittelte dem deutschen Professor eine Gastprofessur in New York, die Geccelli bis 1988 innehatte. Rickey, Geccelli und Pahle fanden zu ihren Formsprachen in den 50er und 60er Jahren, deren intellektuelle Atmosphäre vom Existenzialismus, dem Verschwinden der Figur in Malerei und Skulptur und einer Reduktion auf das vermeintlich "Wesentliche" der Kunst geprägt war. Rickey entwickelte Stahlskulpturen, deren geometrische Elemente durch ihr scheinbar schwereloses Schwingen im Raum erstaunen, bei Geccelli verabschiedete sich die Figur aus dem Bild. Die intellektuelle Unterfütterung der reduktionistischen Formsprache lieferten Beckett, Satre und Camus, die ausführlich über "Das Sein und das Nichts" räsonierten. Der vorläufige Abschied von der Narration in der Kunst im Westen war auch ideologisch geprägt, als Widerspruch zum sozialistischen Realismus, der im anderen Gesellschaftssystem herrschte.

Ursula Prinz konstatiert, die Bilder Geccellis seien trotz ihrer Gegenstandlosigkeit von einer Beseeltheit erfüllt, die sich daraus ableite, dass Ausgangspunkt des Malers eben letztlich doch der Mensch gewesen sei. Das ist allerdings eine Interpretation, den man den Bildern nicht unbedingt ansieht.

Bis 18. Dezember, Galerie Ruhnke, Charlottenstraße 122, Do bis So, 14 bis 18 Uhr
Erschienen am 02.12.2011 auf Seite 30

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