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Schöpfungsakt parallel zur Natur
STEPHAN J. MÖLLER IN DER GALERIE RUHNKE

BÄRBEL WENDT

In seiner fünften Ausstellung präsentiert Galerist Werner Ruhnke mit dem Bildhauer Stephan J. Möller einen sehr vielseitigen Künstler, der in seinem Schaffen die Grenzen der Bildhauerei längst überschritten hat. In seinen Arbeiten geht er grundsätzlich von der menschlichen Figur aus, sie wird aber weitestgehend reduziert, modifiziert und auch experimentierend zur Freisetzung innerer Bilder gewandelt. Bei Möller ist Kunst nicht Mittel zur Reproduktion der Wirklichkeit, sondern Schöpfungsakt parallel zur Natur.

Dabei gibt es Skizzen, die lange Zeit bis zur Umsetzung reifen, aber auch Arbeiten, die sehr spontan entstehen. Obwohl sich die Kompositionen völlig vom Abbildhaften lösen, erhalten sich Wesenselemente, die schließlich imaginabel auf den Ursprung zurückführen. In Plastik wie auch Malerei bleiben menschliche Formen angedeutet.

Möller, 1954 in Zwickau geboren, erhielt seine Bildhauerausbildung von 1975 bis 1980 an der Kunsthochschule Weißensee und ist seitdem freischaffend tätig. Mit der realen Figuration ist er, wie Skizzen zeigen, zwar vertraut, nach anfänglichem Umgang damit wechselte er aber sehr schnell zur weitgehenden Abstraktion. Er präferiert die große kompakte Form, keine ganzheitliche Figuren, sondern nur Torsi, die ihm mehr Freiraum zur Gestaltung lassen.

Möller arbeitet mit Bronze, Stein, Holz, Ton. Lange hat es gedauert, bis er sich dem Stahl zuwandte und zum bevorzugten Material machte. So lassen sich in silberblankem Edelstahl Arbeiten wie „Kugelanschnitt“, „Kopf“ und „Schreitender“ bewundern. Bewusst bleiben Schweißnähte und Kerben ungeglättet als Male erhalten. Die mit reliefartiger Front stelenähnliche Edelstahl/Stahl-Collage „Kleiner Torso“ fasziniert durch die natürlichen Farbunterschiede von Silberblank und zarter Rostpatina.

Aufgelockert und kontrastreich belebt werden die strengen, teils archaischen Skulpturen durch Möllers Malerei, Collage- und Papierarbeiten. Er beherrscht das leichte Material genauso wie das schwere. Stark farbig expressive Tafelbilder wie „Würfelhocker II“ in Spritztechnik sind eher plakative Kompositionen. Faszinierend dagegen die zarten Prägedrucke in schwarz/weiß, die münzenähnlich erhaben gedruckt sind.

Frottagen auf naturweißem Grund, akzentuiert mit schwarzen und rostfarbenen Elementen, bilden den Übergang zu sehr eigenwilligen Papierarbeiten. Fast freischwebend sind die ganz weiß in weiß gearbeiteten „Schnittbilder“ als Wellen, Wolken, Verwerfungen dem Papier anverwandelt. Erdständig die Phantasien zweier Reliefs aus schwarzem, raffiniert geknittertem Papier, zu rechteckigen Gebilden geordnet.

Stephan J. Möller lebt seit 1983 in Hohenbruch bei Kremmen. Er hat unter anderem zwei große Arbeiten für Sachsenhausen geschaffen. Seine Werke finden sich europaweit in Museen und privaten Sammlungen. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien geehrt.

Ausstellung in der Hegelallee 41 bis zum 27. Februar, Do. bis So. 14 bis 19 Uhr.

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