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11.11.2005 / Potsdam

Ein Herz für Amazonien

Vielseitige Kunst von Michael Arantes Müller in der Galerie Ruhnke

BÄRBEL WENDT
Der Berliner Künstler Michael Arantes Müller weiß nach mehreren Arbeitsaufenthalten in Brasilien aus eigener Erfahrung von der Gefährdung der "Poesie Amazoniens" durch den Missbrauch von Kultur und Umwelt. Mit seinen unaufdringlich-eindringlichen Arbeiten will er ein Zeichen setzen für die Bewahrung der kulturellen und natürlichen Vielfalt Amazoniens. Aus seinem Projekt zur Rettung des Regenwaldes, das mit einhundert ein mal einen Meter großen Öl-auf-Leinwand-Tafelbildern zusammengesetzt einen Bildteppich von zehn mal zehn Metern ergibt, sind drei Arbeiten in der Galerie Ruhnke zu sehen. In lateinischer Schrift tragen all diese grün in grün nuancierten Bilder als akzentuierendes Gestaltungselement einen indigenen Wortbegriff zum Thema Grün. Aufmerksam soll so auch darauf gemacht werden, dass mit dem Verlust indigener Sprachen auch ein Verlust der Kultur einhergeht.

Fast alle dieser Bilder sind schon europaweit an Städte und Institutionen verkauft. Auch Potsdam besitzt ein solches Grünbild. Es ist im Stadthaus zu sehen. Das komplette Kunstwerk wurde zu entsprechenden Anlässen präsentiert, das Geld über ein Treuhandkonto für Hilfsprojekte in Amazonien eingesetzt.

Neben der Malerei ist der Holzschnitt, den Arantes Müller in klassischem Stil beherrscht, ein viel genutztes Ausdrucksmittel des Künstlers. Für seine Druckstöcke verwendet er Fundstücke vom Strandgut bis zum Möbelteil, deren teils tief gefurchte Maserung in die Kompositionen eingeht. Die menschliche Figur ist dabei nicht zu übersehen. Bei seinem Erzählen von Bildgeschichten zwischen Mythen und Erlebtem schwingt, eher introvertiert als auftrumpfend, das Nachdenken über andere Wertvorstellungen und immaterielle Bereiche mit. Gefühle und Empfindungen werden durch Abstraktion, weitgehende Reduktion und grafische Verfremdungen der Objekte ausgedrückt. Seine experimentierfreudige Arbeit zeigt sich in der virtuosen Handhabung der Druckstöcke mit oft zigfachem Übereinanderdrucken verschiedenfarbiger Platten und unterschiedlicher Motive. So ergeben sich immer neue Perspektiven und Farbvariationen. An die Stelle von Pinseln treten hier stempelartig die Druckstöcke. In der so entstehenden Varietät sind alle Werke nicht wiederholbare Unikate. Bei den kleinformatigen Drucken finden sich viel- und einfarbene und immer wieder gründominierte als Zeichen für Amazonien. Zur Anschauung sind einige Druckstöcke ausgestellt. Auch im dreidimensionalen Bereich erweist sich Arantes Müller als Könner. Skulpturen in Grauguss, Bronze, Eisenmontage bilden einen reizvollen Kontrast zu den Bildern.

Michael Arantes Müller ist 1953 in Berlin geboren. Von 1978 bis 83 studierte er in Leipzig Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seit 1996 lebt er in Berlin. Seine intensive, viel beachtete nationale und internationale Ausstellungstätigkeit begann 1986.

Ausstellung in der Hegelallee 41 bis 4. Dezember, Do.-So 14-19 Uhr. (Potsdam)

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Ausschnitt aus "Masekiteixiri" Repro: Christel Köster