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Märkische Allgemeine › Potsdam › Regionale Nachrichten , 05.08.2005

Gedämpfte Farbgewalt neben rot-brauner Eisenhaut
Ungewöhnliche Collagen und strenge Skulpturen von Christian Heinrich und Klaus Reincke in der Galerie Ruhnke

Mit einer anspruchsvollen Kombination von Ölcollagen und kleinen Skulpturen, die sich in zeitlosen Formen und ausgeglichenen Farben entsprechen und ergänzen, weckt die Galerie Ruhnke das Interesse der Besucher. Christian Heinrich hat die Ölcollage kreiert und die Technik im Laufe der Jahre spezialisiert und verfeinert.

Aufwändig und aus edlen Papieren aus aller Welt von hauchdünnen Seiden- und Reispapieren bis zu Elefantendung- und Rindenpapier, entstehen die Collagen schichtweise aufgetragen auf Bütten, Leinwand und Holz. Danach erst wird die Ölfarbe aufgetragen, gelegentlich ergänzt mit Acryl. Anschließend kommen Spachtel und Skalpell zum Einsatz, Ergebnis ist eine plastische, reliefartige Oberflächenstruktur. Durch viele Reisen, besonders aber durch Heinrichs Arbeitsaufenthalte in Südafrika fand ein Konglomerat alter und neuer Kulturen Eingang in die Ausdrucksformen seiner völlig abstrakten Bildwelten. Die Umsetzung von Erlebnissen ist unschwer nachzuempfinden. Heinrich arbeitet häufig in Serien. Hier dominieren Naturfarben. Elemente der Kompositionen werden zu sich wiederholenden Erkennungsmerkmalen, wie bei "Schachzug", "Monumental rot" oder "Sonnenklang".

Gedämpft farbgewaltig beeindrucken die Großformate. Nachvollziehbar ist "Die Geburt der Zeit". Ein fulminantes Farb- und Figurationsschauspiel bieten "Metamorphosen der Liebe" und die Arbeiten zu "Kontemplation", die mehrere Jahre bis zur Vollendung brauchten. Christian Heinrich ist 1957 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Publizistik und von 1979 bis 1985 Malerei an der Hochschule der Künste mit dem Abschluss als Meisterschüler.

Figürlich bei weitest gehender Reduzierung ist der menschliche Körper Ausgangspunkt für die Skulpturen von Klaus Reincke. Bei aller Strenge besitzen die Figuren die wichtigsten Informationen zur Identifikation durch Haltungs- und Bewegungsansätze. Ein Teil der Arbeiten ist durch grafische Elemente geprägt, so "Schultertorso", "Angewinkelt" und ganz besonders "Loreley". Bei flüchtigem Blick scheint die Sitzende nur ein unkorrektes M zu sein.

Haptisch sind die Skulpturen mit den runden Formen, wie die kleine und die große "Nike". Reincke arbeitet mit Eisen und Bronze. Die rotbraune Haut der Eisenfiguren entsteht durch den natürlichen Prozess des Rostens. Den Bronzen lässt er entweder die graue Farbe und raue Oberfläche der Gussformen, oder sie werden mit unterschiedlich dunkel getönter Patina überzogen. Blanke, goldfarbene Stücke gibt es bei ihm nicht. Reincke gießt nicht nur die Bronzen, sondern auch die Eisenskulpturen in speziellen Sandformen. Es gibt nur wenige Künstler, die diese faszinierende Technik anwenden.Klaus Reincke ist 1942 in Bad Reichenhall geboren und seit 1950 Berliner. Einer Grafikausbildung bis 1964 folgte bis 1969 das Studium für Freie und Angewandte Malerei an der "Staatlichen Akademie für Werkkunst", Berlin.
bw

Hegelallee 41, bis 14. August, Do. -So. 14-18 Uhr . Heute 19 Uhr Galeriegespräch mit den Künstlern.

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