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"Irgendwo auf irgendwem"
Gewerkschaftsfunktionär Werner Ruhnke wird im Zweitberuf Galerist

LOTHAR KRONE

Potsdam blüht, und eine seiner Knospen ist seit kurzem im wunderschönen Hinterhof der Hegelallee 41 Zu bewundern, wo sich eine neue Galerie dem staunenden Publikum öffnet. Wem angesichts ständig neuer Hiobsbotschaften der öffentlichen Kulturwürger so richtig übel ist, der lenke seine Schritte in die Galerie Ruhnke, um dieses ansehenswerte Gewächs in Augenschein zu nehmen. Initiator, Gründer, also quasi Chefgärtner ist der Gewerkschaftsfunktionär Werner Ruhnke, der von nahen Seddiner See aus ungefragt seinen privaten Pflanzling in das Potsdamer Kulturbeet gesetzt hat. Nun bricht die Knospe auf und manch verblüffter Betrachter fragt sich, wo der hauptamtliche Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmerschaft denn Blumenkunde studiert hat.

Im Leben natürlich, ist die Antwort, und wichtig wäre noch zu verraten, dass Ruhnke ein vollständig musischer Mensch mit einem ausgewachsenen Faible für das Bauhaus und die klassische Moderne ist. Welche Art von Blüten wir auf dem exquisiten Beet am Jägertor erwarten dürfen, hat er mit seiner ersten Ausstellung angedeutet: Der Berliner Andreas Rössiger ist ein ausgemachter Ästhet, und die hellen, noblen Räume sind geradezu ideal in Maß und Charakter für seine facettenreichen und meist kleinformatigen Kunstprodukte.

"Zwischenräume" titelt die Werkschau des 1952 Geborenen gelernten Grafik-Designers, der inzwischen auch als Maler und gelegentlich sogar als Plastiker seine stets sehr kontrolliert gebauten Hintersinnigkeiten in die Zwei- oder Dreidimensionalität entlässt. Mitunter verlässt den Gestalter gar sein sonst so dominanter Ordnungssinn, dann entstehen luftig-leichte Gebilde wie die Collage „Der Geisterreiter". Ein Schwert oder Peitsche schwingendes Etwas sitzt im Irgendwo auf irgendwem, um unsere Phantasie zu jagen. Und das gelingt.

Ganz streng dagegen und gar nicht spielerisch muten "Texte aus dem Erdgeschoss" an. Eine an Buchstaben erinnernde Faserstruktur durchrastert den monochromen Bildkörper, auf dem sich unser Blick nach einem Moment vergeblichen Entziffems endlich dem wohltuend sanften Flimmern ergibt. In einem ähnlichen Fall verweist schon der Bildtitel auf eine "Verschlüsselte Botschaft". Max Liebermann wusste bereits: "In der Bildenden Kunst ist nichts versteckt. Alles ist offenbar: Linien, Farben, Flächen." So ist es auch hier. Etwas wunderbar Unbestimmtes aus tausenden Schlingen, Bögen und Flecken bildet eine Art lindgrünen Rasen, auf dem vier Zeichen ihr scheinbares Rätsel auftürmen. Am Fuße stachelt eine weiße Zackenlinie, auf der sich eine unbekannte Winzigkeit niedergelassen hat. Über ihr dann blitzt eine Eisklinge aus einem transparenten blauen Würfel, der von einem goldfarbenen Querbalken gekrönt wird. Ist das wirklich ein Rätsel? Wohl eher eine Antwort. Aber sicherheitshalber sollte jeder selber mal nachschauen... in der Galerie Ruhnke, Hegelallee 41.

Ausstellung bis 8. August, geöffnet Do. bis So., 14-19 Uhr, oder nach Vereinbarung unter 505 80 86

Märkische Verlags und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam