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AUSSTELLUNG: Abschied und Aufbruch

Neun Künstlerinnen und Künstler des Hauses zum Jahresende in der Galerie Ruhnke

POTSDAM / INNENSTADT - Galerist Werner Ruhnke hat zum Jahresende eine Auswahl jener Künstlerinnen und Künstler in seiner Galerie versammelt, "die zum Stamm der Galerie gehören oder gehören könnten". So steckt im Rückblick schon der Ausblick. Neun sind es insgesamt, darunter vier Frauen, die er mit Kostproben ihres Schaffens versammelt hat. Namen, die auch über die Galerie hinaus bekannt sind, deren ausgestellte Arbeiten aber zum ersten Mal zu sehen sind – Frischkost direkt aus den Ateliers.

Mit Arbeiten von Andreas Rössiger eröffnete Werner Ruhnke vor acht Jahren seine Galerie in Potsdam. Zu Stephan J. Möller hatte Werner Ruhnke schon Kontakte bevor er seine Galerie einrichtete. In den in der Form hoch konzentrierten Skulpturen Möllers steckt immer die menschliche Figur, sich anbietend in Haltungen, die offen für Interpretationen sind. Frank Gottsmann kommt mit seinen nonfigurativen Malereien dem nahe, was die Galerie immer wieder sucht. Die in Caputh lebende Künstlerin Malkin Posorski, lange Jahre als Filmemacherin und Produzentin weltweit unterwegs und vor 19 Jahren erst wieder zur freien künstlerischen Arbeit zurückgefunden, lässt sich vom Schwielowsee vor ihrer Haustür zu grafischen Etüden anregen, die japanischen Einfluss nicht verschweigen.

Ganz anders in ihrer Kompaktheit wirken die Landschaften – eigentlich zwei horizontal gelagerte Farbflächen – von Christian Heinrich. In Ölcollagen mit reliefartigem Bleiauftrag fügt er Farbschichten aufeinander und ineinander. Tatsächlich bleierne Farblandschaften sind das Ergebnis.

Die Arbeiten zweier Frauen unter den Ausstellenden setzen künstlerische Akzente. Da sind die sonnendurchfluteten Aquarelle von Roswitha Grüttner, die immer entschiedener vom äußeren Bild der Dinge abgeht und mit der Farbe in freien Formen jene inneren Erlebnisse herauszustellen vermag, die in Worten nicht fassbar sind. Und schließlich steht man vor vier Radierungen Claudia Bergs zu Gedichten Heinrich Heines. Heines Lyrik ist Abschied, Claudia Bergs Grafiken sind Aufbrüche, nicht jubelnd, eher trotzig in federnder Spannung bei aller Kargheit der Motive – intensivster Ausdruck mit sparsamsten Mitteln. Werner Ruhnke möchte mit dieser kleinen Jahresbilanz nicht nur Künstler und Werk würdigen, sondern auch auf seinen, ästhetisch aufs sorgfältigste ausgewogenen Ausstellungsstil verweisen: "Wenn jemand mit den Werken nicht zurechtkommt, so möge er doch zumindest sagen: Aber schön gemacht ist die Ausstellung schon!"

Charlottenstraße 122, bis 27. Februar, geöffnet auch zwischen den Feiertagen, Do.-So. 14-18 Uhr, 505 80 86. (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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