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AUSSTELLUNG: Objekte und Grafik

Ursula Sax stellt als erste in den neuen Räumen der Galerie Ruhnke aus

Die das Profil der Galerie Ruhnke bestimmende Konzeption, zeitgenössische, moderne Kunst zu präsentieren, ist auch am neuen Standort in der Charlottenstraße 122 sorgsam beibehalten worden. Als Herausforderung erweist sich die Umsetzung unter den sehr veränderten Bedingungen.

Werner Ruhnke und Karin Tondorf haben mit der ersten Ausstellung ein Refugium der Kunst geschaffen, in dem das einzelne Werk Vorrang genießt und als Solitär dargeboten wird. Die urig niedrigen Kellerräume haben geradezu sakralen Charakter, in denen künstlerische Exponate wie Reliquien an Wänden und in Nischen auftauchen. Die Räume behüten die Kunstwerke, so wie Kunstwerke spirituelle Räume schaffen. Kunstwerke werden im weitflächigen Rahmen der weißen Wände zu Brillanten, auch wenn sich dem Betrachter in der individuellen Rezeption die Frage stellt, ob jedes gezeigte Werk dieser Auszeichnung und dem damit verbundenen künstlerischen Anspruch gerecht werden kann.

Eröffnet wird mit Objekten und Grafik der in Backnang geborenen und in Radebeul lebenden Künstlerin. Entscheidend geprägt wurde ihr Werk durch ein Bildhauerstudium als Meisterschülerin an der Hochschule für bildende Künste Berlin und der anschließenden Lehrtätigkeit an der gleichen Einrichtung. Ihre in der Öffentlichkeit wirksamen Arbeiten sind Skulpturen, großräumige Installationen und architekturbezogene Werke. Erst mit diesem Wissen um die Fülle ihres Schaffens lässt sich die zahlenmäßig eingeschränkte Auswahl bei Ruhnke einordnen. Im ersten Galerieraum wird der Gast empfangen von einer großformatigen, in elementarer Farbigkeit gehaltenen Papierarbeit. Farbige Flächen sind miteinander verknüpft und durch fensterartige Öffnungen durchbrochen. Ursula Sax ließ sich inspirieren von mittelalterlichen Fastentüchern, mit denen in der Fastenzeit sakrale Gegenstände verhüllt wurden. Was verhüllt wurde, wird durch die Fenster im modernen Papier-Tuch enthüllt. Doch dahinter ist ein Nichts. Kann das Absicht sein?

Die folgenden zwei Räume werden zu Uhren-Kabinetten. Sax geht mit vorwiegend grafischen Mitteln das Phänomen Zeit an, jene "absurde Erfindung des Menschen", wie sie sagt. Das Ziffernblatt wird zum skurrilen Spielfeld grafischer Erfindungen. Skulpturale Studien finden sich im Galerie-Keller. Den aus einem Grundelement rhythmisch vital und hochästhetisch in eine Körper-Raum-Form geordneten Objekten stehen frei gefügte Kompositionen aus keramischen, die Arbeitsspuren tragenden Flächen gegenüber. Empfangen wie auch verabschiedet wird man von güldenen Himmelsläufern an der Decke eines verkleideten Treppenhauses.

Der Gewinn, den die neuen Räume für die Präsentation moderner Kunst bringen, ist in Ansätzen sichtbar. Der verbindende, hochsensibel ausbalancierte Rhythmus der die Räume früher in der Hegelallee ausmachte, muss in der Charlottenstraße erst noch gefunden werden.

Heute, 19 Uhr, Galeriegespräch, Ausstellung bis 9. 11., 14 – 18 Uhr (Von Arno Neumann)

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