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GALERIE: Von der Freiheit der Idee

Potsdam-Museum und Ruhnke zeigen Arbeiten von sieben Künstlern, entstanden vor und nach 1989


POTSDAM / INNENSTADT - Kunst kann nur in Freiheit entstehen. Freiheit gab es in der DDR nicht, also gab es keine Kunst. So lautet das Diktum führender Köpfe bundesdeutscher Kunstwissenschaft und Politik, die daraus den Alleinvertretungsanspruch für westdeutsche Kunst ableiten. Sie haben es im Frühjahr ’09 in der Berliner Ausstellung "60 Jahre – 60 Werke" rigoros demonstriert.
Dem setzen die Initiatoren der Kooperationsausstellung "Freiheit der Idee" entgegen, dass "es keine Freiheit ohne Kunst gibt, wohl aber Kunst ohne Freiheit". "Gerade im Widerstand kann die beste Kunst entstehen", sagt Frank Gottsmann als einer der Ausstellenden, Ulla Walter ergänzt: "Ich konnte mit den künstlerische Form gewordenen Chiffren meiner Bilder Widerstand leisten und so auch Ermutigung geben."
Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums, und Galerist Werner Ruhnke zeigen in ihren Häusern Malerei, Grafik und Plastik von sieben Künstlern aus dem Brandenburgischen mit Arbeiten, die vor dem Umbruch 1989 und auch danach bis in die unmittelbare Gegenwart hinein entstanden sind. Für Götzmann bot sich die Gelegenheit, die im Depot schlummernde Sammlung mit 5000 Werken von Künstlern aus der DDR wieder ins Gespräch zu bringen. Ruhnke wählte für seinen Ausstellungsteil Arbeiten von Künstlern aus, die mit der Galerie verbunden sind. So sind insgesamt weit über 100 Werke zu sehen
Das Potsdam-Museum präsentiert in zwei Etagen vorwiegend Malerei und Plastik. Nach dem Auftakt mit farbig bedrängenden Arbeiten von Stephan Velten bleibt in den folgenden unteren Räumen die Plastik von Stephan J. Möller bestimmend. Im Obergeschoss empfangen Aquarelle und Druckgrafiken von Roswitha Grüttner den Besucher, wiederum ein Erlebnis, wie künstlerische Form sich immer stärker auf substanzielle Ausdruckswerte konzentriert. Furios hingegen in farbigen Kombinationen Michael Arantes Müller in seiner Druckgrafik.
Ruhnke konzentriert sich in den oberen Räumen seiner Galerie auf wenige Großformate wie Ulla Walters grandios expressives Werk "Tanz über der Stadt", konfrontiert mit Frank Gottsmanns urbanem Formgebäude mit dem Wanderer über die Dächer der Stadt. Im Kellergeschoss begeistert Falko Berendt mit illustrativen grafischen Werken. Auch bei Ruhnke ist künstlerische Substanz geblieben, was immer schon künstlerische Qualität war, sei es auf dem Wege zur Abstraktion oder zurück zum Figürlichen wie bei Ulla Walter.
Auf Monitoren sind informative Statements der ausstellenden Künstler zu verfolgen. Begleitveranstaltungen mit Dokumentarfilmen und Künstlergesprächen gehören zu dieser bedeutsamen Ausstellung, die nicht zuletzt eine schöne Ausstellung ist, genuss- und erkenntnisreich in den Werken und nobel in der Präsentation – ein Highlight dieses Kunstjahres.

info Eröffnung im
Museumshaus, Benkertstr. 3, heute um 14 Uhr; Ausstellung bis 14. Februar, Benkertstr. 3 Di.-So. 10-18 Uhr,
Galerie Ruhnke, Charlottenstr. 122, Mi.-So. 14-18 Uhr.
(Von Arno Neumann) © Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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