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27.01.2007

Fahr mal wieder U-Bahn

Loredana Nemes und Gisela von Bruchhausen in der Galerie Ruhnke

ARNO NEUMANN

Loredana Nemes war skeptisch. Würden sich ihre Fotografien zwischen Stahlskulpturen behaupten können? Galerist Werner Ruhnke war überzeugt, dass beides geht. So präsentiert seine erste Ausstellung des Jahres 2007 Fotografien von Loredana Nemes und Stahlskulpturen von Gisela von Bruchhausen. Beides geht durchaus zusammen, ja mehr noch, Papierbild und Stahlskulptur tragen und befördern einander in ihrer künstlerischen Wirkung. Da ist erst einmal der noble Schwarz-Weiss-Akkord in allen Arbeiten, der der Präsentation ihren eigenen Klang gibt. Da ist weiter der Kontrast von konsequent Figürlichem in der Fotografie zu ebenso konsequent Nonfigurativem in der Skulptur. Ein Kontrast, der sich wandelt zum Anstoß für ein innovatives Sehen, initiiert durch eine unmittelbare Nachbarschaft von Fotografien und abstrakten Papiercollagen. In dieser Konstellation führt die kompositorische Ordnung von Schwarz zu Weiß in den Collagen zur Erkenntnis der kompositorischen Grundstruktur in den Fotografien.

Nemes hatte schon in der letzten Galerie-Ausstellung mit Fotografien aus ihrem Geburtsland auf sich aufmerksam gemacht. 1972 im rumänischen Sibiu, dem einstigen Hermannstadt geboren, studierte sie in Deutschland Germanistik und Mathematik, verschrieb sich aber ganz der Fotografie und hat seit 2006 einen Lehrauftrag für Fotografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die jetzt bei Ruhnke gezeigten Arbeiten sind eine Auswahl aus einem U-Bahn-Projekt. Mehrere Tage ist sie in New York, London, Paris, Moskau und Berlin mit der U-Bahn gefahren, hat Menschen beobachtet, bis sie sich mit ihrer Mentalität, ihrem Gebaren in der Anonymität der Bahn vertraut glaubte. Dann fotografierte sie mit einer Spiegelreflex-Kamera, bei der sie mit den Fotografierten immer in Augenkontakt bleiben konnte. Alle wussten um das Fotografiert-werden, manche lehnten ab, andere setzen sich schnell noch ein bisschen in Positur. Dennoch erscheint keine Aufnahme gestellt. Die Menschen wirken unbeobachtet, unverkrampft, im Äußeren spiegelt sich Inneres – das höchste Lob, was man einer Porträtfotografin geben kann. Denn letztlich sind alle Aufnahmen Porträts unterschiedlichster Menschen, die ihre faszinierende Wandelbarkeit vor Augen führen und so sich selbst offenbaren.

Dieses pralle, aus dem Bild herausdrängende Leben wird beruhigt durch die zu hochartifizieller Form gewordenen Stahlkompositionen. Gisela von Bruchhausen sucht und offenbart die Spannung im Material, um sie im Prozess der künstlerischen Formfindung in geradezu verblüffenden räumlichen Verschränkungen zu großer Ruhe zu bringen. Die internationale Anerkennung der 1940 in Berlin geborenen Gisela von Bruchhausen, die heute ihr Atelier in Werder/Havel hat, ist im Angesicht ihrer Werke eine Selbstverständlichkeit.

Hegelallee 41, bis 4. März, Do.-So. 14-19 Uhr.