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Potsdamer Stadtkurier, 26.04.2013

Drei Prismen über lichtem Feld
Zum Frühlingsfest im Findlingsgarten am Seddiner See gibt es am Sonnabend neue Attraktionen

Von Volker Oelschläger

KÄHNSDORF
Mit monumentaler Geste reckt sich die neueste Attraktion des Findlingsgartens am Seddiner See. "Drei Prismen" ist der Titel dieser gut sechs Meter hohen Arbeit aus Stahl von Karl Menzen mit drei übereinander balancierenden Körpern aus durchschimmerndem, rostig braunem Gitterwerk. Zu sehen war sie im vergangenen Jahr zunächst auf einer größerer Plastik vorbehaltenen Wiese in Pankow. Doch der Schauplatz im Schatten einer Kirche war nicht halb so geeignet wie das lichte Gesteinsfeld am Kähnsdorfer Waldesrand.

Der Potsdamer Galerist Werner Ruhnke, der den Findlingsgarten seit sechs Jahren mit zeitgenössischer bildender Kunst ergänzt, hat die Skulptur an den Seddiner See geholt. Ruhnke spricht mit Blick auf den Ort von einer Symbiose "alter Steine und neuer Kunst", deren Verwandtschaft im Werden am besten ein sogenannter Windkanter gleich am Eingang des Findlingsgartens illustriert, der über viele Jahrtausende hinweg bei seiner Reise auf dem Buckel des Inlandeises immer wieder einmal gewendet und dabei auf mehreren Seiten von Wind und Sand geschliffen wurde.

"Drei Prismen" ist die mittlerweile dritte Skulptur des Stahlkünstlers Menzen in dem Findlingsgarten, der am Sonnabend mit einem Frühlingsfest in die neue Saison geht. Seit gut zehn Jahren werden auf dem Winkel zwischen Seddiner Straße und Friedhofsweg Steine ausgestellt. Das Material für die modellhaft nachgestaltete Eiszeitlandschaft holte der Gründer des Findlingsgartens, Heiner Vollstädt, hauptsächlich von den Spargelfeldern der Umgebung ab. Die Geschichte der Steine bestimmte er gemeinsam mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin. So wurde es möglich, dass nicht nur Pflanzen und Kunstwerke, sondern auch die Findlinge nach Material und Herkunft beschriftet sind. Und so kann der Besucher staunend lesen, dass der zur Erläuterungstafel gehörende Graphitbrocken 1,65 Millionen Jahre alt ist und vom Eis aus dem südschwedischen Småland bis nach Potsdam-Mittelmark getragen wurde.

Ergänzt wird die Eiszeitlandschaft en miniature neuerdings durch einen kaum kniehohen Krötenzaun, der sich in einem weiten Bogen durch das Gelände zieht. Der Zaun signalisiert, dass das zwei Hektar große Feld nach Findlingen und Kunst eine Zusatzfunktion als Wildpark und Biotop übernimmt. Aufgebaut wurde der Krötenzaun als Schutzwall für geschützte Zauneidechsen, die auf einer Baustelle in Neu-Seddin geborgen wurden und auf dem Kähnsdorfer Gesteinsacker ein neues Zuhause finden sollen. Erste Bewohner haben sich mit Goldfischen bereits in den kleinen Gewässern auf dem Gelände angesiedelt, die sogenannte Toteisseen darstellen sollen.

info Frühlingsfest am Sonnabend von 10.30 bis 16 Uhr. Eintritt frei; Tel. 033205/4 55 63.

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam



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