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Der Havelländer, 25.01.2010

Kunst im Käfig
Ausstellung Gespräch mit dem Bildhauer Stephan J. Möller in der Galerie Ruhnke

Die Doppelausstellung "Freiheit der Idee: 7 mal Kunst vor '89" zeigt Bilder und Plastiken von sieben Künstlern aus der DDR. Darunter von Stephan J. Möller aus Hohenbruch.

Von Marlies SCHNAIBEL

POTSDAM/HOHENBRUCH Ein geschundener Körper, ein gestürztes Pferd. Trotz reduzierter, kubischer Formen wird das Leid des Tieres spürbar. 1987 hat Stephan J. Möller diese Bronzefigur geschaffen. Er tat es in einer Zeit, als die Bürger des kleinen deutschen Staates längst gelernt hatten, zwischen den Zeilen zu lesen, zu hören, zu sehen. Versteckte Botschaften wurden entschlüsselt.

"Gestürztes Pferd" ist eine von rund 140 Arbeiten einer Ausstellung, die das staatliche Potsdam-Museum und die private Galerie Ruhnke gemeinsam zeigen: "Freiheit der Idee: 7 mal Kunst vor '89". Die Arbeiten stammen von Falko Behrendt, Frank Gottsmann, Roswitha Grüttner, Michael Arantes Müller, Stephan Velten, Ulla Walter und Stephan J. Möller.

Am Donnerstag hatte Galerist Werner Ruhnke zu einem Künstlergespräch mit Roswitha Grüttner aus Blankenfelde und Stephan J. Möller aus Hohenbruch bei Oranienburg eingeladen. Eine kleine Zuhörergruppe mit hoher Professorendichte hatte sich dazu eingefunden.

"Vogelfrei im Käfig", hatte der Maler Stephan Velten die Situation der DDR-Künstler in den achtziger Jahren beschrieben. Wie das im Alltag aussah, versuchte Stephan J. Möller plastisch zu machen. Gute Ausbildung, Aufträge über den Künstlerverband und endlose Laufereien wegen der Materialknappheit. Eine Flasche Westschnaps für die Männer der Kunstgießerei konnte da prozessbeschleunigend wirken. Sonst hätte Stephan J. Möller seine Plastik für die X. Kunstausstellung in Dresden wohl nicht termingerecht fertig bekommen.

Und da waren die endlosen Debatten mit Auftraggebern; Möller hatte sie erlebt, als er einen Spanienkämpfer darstellen sollte und mit den Vorstellungen der Herren vom Antifaschistischen Komitee zu ringen hatte; die wollten partout einen uniformierten Kämpfer mit Waffen, der Bildhauer aber einen nackten Mann mit Schwert. Am Ende war der Mann nackt, und das Modell stand in der Gießerei. Aber die Wende stoppte das Vorhaben. Ein bisschen ärgert sich Stephan J. Möller heute, dass er die Arbeit nicht zu Ende geführt hat. Denn künstlerisch muss er sich dafür nicht verstecken. Muss er sich überhaupt nicht. Möller hat früh sein Talent in der plastischen Darstellung gezeigt. Die Plastiken der achtziger Jahre, nun in Potsdam zu sehen, beweisen das. Ihre Qualität ist bestechend.

Die Wende? "Da ging das Leben erst richtig los", beschreibt Möller seine damalige Seelenlage. "Ich hatte eine ungeheure Arbeitskraft und Arbeitslust." Die legte er nicht nur in den Ausbau des Bauernhofes in Hohenbruch, sondern auch in die Arbeit als Bildhauer. Künstlerisch sah er sich in seinem Ansatz bestätigt, er konnte einige Aufträge über die Wende hinaus zu Ende führen. Der lebensgroße "Mann mit dem Tierschädel" für die Chemnitzer Weißenhofsiedlung und die Runge-Plastik für Oranienburg gehörten dazu. Aber mit den Jahren zeigte sich, wie schwer der Markt für Bildhauer ist. Möller eroberte andere Felder, wurde abstrakter, schafft Bilder aus Metall und Holz. Auch in denen kommt er auf sein Grundthema zurück: Statik und Ruhe.

Zum Hochgefühl der Wendezeit sagt er heute: "Die damalige Zuversicht scheint etwas blauäugig gewesen zu sein." Nostradamus, Möllers großer Seher von 1983, könnte heute ähnlich ernst dreinschaun.

info Die Ausstellung im Potsdam-Museum, Benkertstr. 3, und in der Ruhnke-Galerie, Charlottenstr. 122, läuft bis zum 14. Februar.
Am 28. Januar zeigt die Galerie ab 18 Uhr den Film "Die Mauer" von Joachim Böttcher (Strawalde).

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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