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AUSSTELLUNG: "Jetzt bin ich bei mir angekommen"
Bilder und Skulpturen von Johannes Geccelli und Achim Pahle in der Galerie Ruhnke

POTSDAM / INNENSTADT - Mit ländlichem Maßstab gemessen waren sie Nachbarn: der Maler Johannes Geccelli im südlich Berlin liegenden Jühnsdorf und der Bildhauer Achim Pahle in Saalow. Beide kannten sich und schätzten gegenseitig ihre Arbeiten. Sie verabredeten mit Galerist Werner Ruhnke eine gemeinsame Ausstellung. Geccelli ist vor wenigen Monaten verstorben. So ist diese jetzt laufende Ausstellung eine, wenn auch fragmentarische Besinnung auf Geccellis Werk wie auch eine sehr persönliche Ehrung durch die in ihrer Form so edlen Skulpturen Pahles.

Die letzten, in der Ausstellung gezeigten Arbeiten Geccellis sind datiert vom Februar 2011. Sie sind die Quintessenz seines künstlerischen Lebens und Schaffens. Ruhnke lässt in der konzentrierten Auswahl Geccellis Entwicklung als Farbfeldmaler nachvollziehen. Da ist das in Schwarzgrau-Violett angelegte späte Werk, in Acrylfarben ausgeführt in penibel abgestuften und präzis ausgeführten senkrechten Streifen. Das Grundmotiv wird in unterschiedlichsten Farbabstufungen immer wieder variiert. Je dunkler die Farbe wird, umso stärker wird der Eindruck eines hinter dem Sichtbaren verborgenen Unsichtbaren. Geccelli gibt eine bildnerische Antwort. Er kippt die Farbfelder auf den Bildern, hervor kommt pure Leinwand. Doch er hat sich vor einem Jahr von der Farbfeldmalerei verabschiedet. Das Bild fordere ihn nicht mehr, waren seine Worte.

Im ländlichen Jühnsdorfer Raum, der ihn sehr an seine ostpreußische Heimat erinnerte, malte er immer wieder in kleineren Formaten Landschaftsaquarelle, auch hier gebaut aus horizontalen, großflächigeren Farbfeldern. In seinen letzten Arbeiten hat alles Bisherige zu einer überraschenden wie überzeugenden Symbiose gefunden. Im Dezember 2010 schreibt Geccelli in sein Tagebuch: "Jetzt bin ich bei mir angekommen. Der Kreis hat sich geschlossen. Die Acrylbilder, die Kippbilder und die Aquarelle sind in diesen neuen Blättern vereint. Sie sind schön in einem Sinn wie das Ungewollte schön sein kann."

Geccellis Bilder werden behütet von edlen Stahlskulpturen Achim Pahles. Er ist ein Meister elementarer Formentdeckungen, die er zu höchster ästhetischer Wirkung bringt. So werden zwei schmale, hohe Stahlbleche diagonal gefaltet und gegeneinander versetzt. Das Auge ist überwältigt von dieser Eleganz und entdeckt erst langsam, wie genial einfach das ist. Sympathisch ist, dass das sehr zurückhaltend, nie auftrumpfend geschieht. Spröder hingegen, weil die Materialwirkung der Stahlflächen fehlt, sind seine linear aus Stahlstäben gebauten Stelen. Schieres Entzücken aber lösen seine 45 Miniatur-Reliefs aus. Diese Reliefs dienten auch als Präge- und Druckstöcke für grafische Blätter in der Ausstellung. Sie in dieser Ausstellung zu zeigen, war ein besonderer Wunsch Geccellis.

Charlottenstraße122, bis 18. Dezember, geöffnet Do.–So. 14–18 Uhr, (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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