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AUSSTELLUNG: Splittrige Schönheit
Malerei von Rainer Nepita und Skulpturen von Armin Göhringer in der Galerie Ruhnke


POTSDAM / INNENSTADT - Der Konflikt wird nicht enden. Natur und Kunst bedingen einander und fliehen sich doch. Natur kann sich ohne Ermüdung in ihren Formen wiederholen. Kunst hingegen ist immer auf der Suche nach Neuem, nach Originalität ihrer eigenen Formen. Letztlich bleiben Natur und Wirklichkeit unverzichtbarer Inspirationsquell der Kunst.

Rainer Nepita: "BB 4"

Rainer Nepitas Malerei in der Galerie Ruhnke ist ein besonderes Beispiel dieser schicksalhaften Beziehung. Der Künstler, gebürtig 1954 in Schweinfurt, akademisch ausgebildet in Karlsruhe und Freiburg, fand seine Inspirationsquelle im Schwarzwälder Naturschutzgebiet Badberg. Er zeichnete dort Tag für Tag nach der Natur. Dutzende von Skizzenbüchern mit Bildnotizen von Pflanzen wurden zum Fundus seiner freien Farbkompositionen. Auf großformatigen, intensiv farbigen Leinwänden werden in kontrastierenden Farben vegetative Formkürzel gesetzt, übereinander gelegt, verflochten – Tags aus der Graffiti-Szene der Natur. Die gewollt verfremdete Form kann und will mit der Naturform nicht mithalten.
Den ästhetisch optischen Reiz machen einerseits die Farbkontraste aus bis hin zu verblüffenden 3-D-Effekten bei rotem Grund, andererseits die kompositorischen Spannungen von vereinzelter farbgrafischer Spur bis hin zu geballten Verflechtungen. Für das Auge ist nachvollziehbar, welch gewagtes Abenteuer es ist, den ersten kontrastierenden Farbstrich auf die in jungfräulich reiner Farbe blühende Leinwand zu setzen. Nepita arbeitet bei diesen Kunst-Tags nach einer ganz eigenen Systematik. Ein Skizzenbuch wird für je eine Form Seite für Seite abgearbeitet.
Als Ausstellungs-Partner hat sich Rainer Nepita seinen langjährigen Freund Armin Göhringer gewünscht, geboren 1954 in Nordrach mit Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Es ist ihre erste gemeinsame Ausstellung. Bei dessen holzbildhauerischen Arbeiten ist höchster Respekt vor dem Charakter und den gestalterischen Chancen des Naturmaterials Holz zu spüren. Das Holz lohnt es ihm. Göhringer fordert es heraus, macht seine Sperrigkeit und Zerbrechlichkeit sichtbar. Er setzt ihm mit der Kettensäge zu und nutzt die Bearbeitungsspuren zum Offenbaren der splittrigen Schönheit dieses naturgegebenen Materials. Er lässt seine abstrakten Gebilde am Rande der Schwerkraft balancieren, dünne Holzstreben tragen klotzig Schweres. Bildhauerisches Ereignis sind die mehrfach durchbrochenen, als Flechtwerke erscheinenden Skulpturen, in eine ausklingende Spannung gebracht durch behutsame Biegungen. Hochachtung vor dem technischen Wagemut und kreative Imagination mischt sich bei Göhringer mit sichtbarem Respekt vor der Schöpfung der Natur, die ihm als Künstler eine solche Chance gibt. Natur und Kunst, hier haben sie sich gefunden, ohne ihren jeweils eigenen Charakter zu leugnen. (Von Arno Neumann)
Charlottenstraße 122, bis 4. April, Do.-So. 14-18 Uhr, 5058086 oder 01577/2958104.

Am Sonnabend, 27. März, um 19 Uhr liest Kirsten Schlüter in der Galerie Gedichte von Rainer Nepita;
Wilfried Kirner macht Musik auf einer Skulptur von Armin Göhringer.


© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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