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Die Griechen lassen sich ihren Stolz nicht nehmen
Ausstellung im Kunsthaus “sans titre“ mit Fotografien von Dieter Seitz und K.T. Blumberg aus einem existenziell bedrohten Land

POTSDAM - Werner Ruhnkes Ausstellungsästhetik, die zu einem Markenzeichen seiner Galeriearbeit geworden ist, geht mit auf Wanderschaft. Bis Ende August ist er Gast im strahlend weiß gestrichenen Obergeschoss des Kunsthauses “sans titre“ mit einer Fotoausstellung – eine beeindruckende Fotodokumentation mit künstlerischem Anspruch.
Es geht um Griechenland und dessen viel diskutierte Probleme im europäischen Raum. Es geht aber vor allem um die Menschen, die von diesen existenziellen Bedrohungen betroffen sind.
Dieter Seitz, wie die zweite ausstellende Fotografin K.T. Blumberg zugehörig zur Künstlergruppe “Bogota“, war auf Wahlkampfveranstaltungen mitten unter Athenern und fotografierte sie. Steht man vor diesen Porträts, herausgehoben aus der Menschenmenge, ist man nicht mehr nur zuschauender Betrachter, sondern Partner, Mitbeteiligter, Mitleidender und Mithoffender dieser Menschen.
Ihre Gesichter sind offen, keiner verschließt sich, unterdrückt seine Gefühle. Charaktere spiegeln sich in den Gesichtszügen. Sie lassen sich ihre Würde nicht nehmen. Sie gewinnen eine Schönheit, die sich auf brüchigem Boden den Stolz nicht nehmen lässt. Dieter Seitz gelingen imposante Bilder, die gleich Ikonen des griechischen Volkes erscheinen.
Entgegen setzt er diesen Menschen die Härte der Situation im Lande mit Aufnahmen von Investruinen und mit undurchdringlichem Stacheldraht geschützten Reichenvierteln – eindringlich sichtbare Ausweglosigkeit.
Die Fotografin K.T. Blumberg zeigt wiederum die für ihre Arbeit charakteristischen Bildpaare, die mit dem Dialog im Bild gezielt den Dialog mit dem Betrachter anregen und einfordern.
Gerade beim Thema Griechenland überzeugt diese Methode ganz besonders. Wer an Griechenland denkt, hat das Land als Wiege und Höhepunkt europäischer Kultur vor Augen. K.T. Blumberg entdeckt Zeugnisse dieser Kunst und Kultur in Schwarz-Weiß-Aufnahmen ihrer Bildpaare.
Diese antiken Skulpturen sind allesamt angeschlagen, eigenwillige Zeugnisse von hintergründig anmutender Lebendigkeit, die historische Zeitläufe ahnen lassen. Dem zugeordnet sind Farbaufnahmen des Athener Alltags, die im Kontext zu den ruinösen griechischen Göttern und Heroen die ganze Tragik der gegenwärtigen Entwicklung spürbar werden lassen.
Einigen Einzelaufnahmen, die laut Galerie-Kommentar die extrem hohen griechischen Rüstungsausgaben kritisieren wollen, fehlt es hingegen an der Überzeugungskraft der genannten Bildpaare.
Werner Ruhnke versteht es schon bei seinem ersten Gastspiel, dem gewählten und gastfreundlich gewährten Ort ein besonderes Profil zu geben.
Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 26. August, immer Mittwoch bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr im Kunsthaus “sans titre“, Französische Straße 18. (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam




K.T. Blumberg: "Athena"



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