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"Stein und Landschaft"
Bilder von Bettina Blohm und Skulpturen von Hans Michael Franke bei Ruhnke

POTSDAM / INNENSTADT - Es ist wohl das erste Mal, dass man aus einer Ausstellung bei Werner Ruhnke gleichermaßen angeregt wie unbefriedigt hinausgeht. Ein Markenzeichen der Galerie ist, bei beschränktem Raum eine in sich geschlossene Werkauswahl zu zeigen. Diesmal funktioniert es nicht. Die Steinplastiken von Hans Michael Franke liegen, wenn auch bedachtsam arrangiert, in den Räumen herum. Sie brauchen gewachsene Erde. Sie wirken wie eingesperrt und wecken gerade dadurch das Bedürfnis, das alles einmal im Außenraum zu sehen.

Frankes Steinskulpturen wirken archaisch. Sie erscheinen als Bruchstücke eines einstmals Ganzen in ihrem berechnet zufälligen Formkontrast von bearbeiteten und unbearbeiteten Partien. Im ersten Raum liegt das Fragment einer mächtigen Säulenhaut. Wesentlich für die dynamische Wirkung dieses auf den Boden gelehnte Steinstück ist die Wölbung. Langgezogen rechteckige und gehöhlte Steinbänke liegen verstreut im hinteren Raum. Bei kleineren Objekten sind in Steinzylinder fensterartige Öffnungen geschnitten. Fast könnte man all das als Holz ansehen. Franke arbeitet bei seinen monumentalen Objekten mit einer Seilsäge. Bei den kleineren Werken verwendet er eine mit Diamantsegmenten versehene Kettensäge. Der 1963 in Hanau geborene Franke lernte Mitte der 1980er Jahre Steinmetz und Steinbildhauer. Er studierte Bildhauerei an die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Die Malerei im Ausstellungsduo weiß sich mit nonfigurativen Kompositionen in auftrumpfender Farbigkeit zu behaupten. 1961 in Hamburg geboren, lebt und arbeitet Bettina Blohm heute in New York und Berlin. Sie studierte Freie Malerei unter anderen bei Mac Zimmermann an der Akademie der Bildenden Künste München. Da sind von ihr bei Ruhnke eben jene in extremem Kontrast gemalte Arbeiten mit exakt fixierten und farbig sorgsam eingestrichenen Flächen, in die sie dann Pinselhiebe brutal hineinsetzt. Bewegender sind die stillen Arbeiten. Drei nach dem gleichen kompositorischen Prinzip angelegte, im farbigen Grundakkord unterschiedliche Arbeiten mit dem Titel "April" suggerieren Landschaften. Minimale gegenständliche Andeutungen eröffnen weite Assoziationsräume: schwarze Linien, sich kreuzend mit grau geriffelten, die Raum schaffen, mit breitem Pinsel aufgetragene und dadurch offen strukturierte Farbflächen als Bildgrund, die den Blick in Raumtiefen holen – das sind faszinierende Landschaften.

Von gleicher künstlerischer Delikatesse sind die kleinformatigen Grafiken. Und während man beim Betrachten bemüht ist, nicht über die auf dem Boden liegenden Steinskulpturen zu stolpern, erkennt man, dass beide, der Stein und diese Landschaft assoziierenden Malereien in der Offenheit ihrer Form miteinander zu tun haben.

Charlottenstraße 122, bis 29. April, Do.–So. 14–18 Uhr; 505 80 86. (Von Arno Neumann)


© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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