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Potsdamer Stadtkurier, 21.04.2011

Beglückende Leichtigkeit
Ausstellung: Bilder, Keramik und Bronzen von Falko Behrendt in der Galerie Ruhnke

Man kann es so sagen:
Das grafische Werk Falko Behrendts öffnet dem staunenden Betrachter neue Welten.


Von Arno Neumann

INNENSTADT: Vor genau einem Jahr zeigte Werner Ruhnke in seiner Galerie zusammen mit dem Potsdam-Museum in der Gemeinschaftsausstellung "Freiheit der Idee" Grafiken von Falko Behrendt. Jetzt widmet er ihm eine eigene Werkpräsentation.

Behrendt ist Grafiker par excellence, der mit ungebrochener Experimentierfreude das schier unerschöpfliche Feld grafischer Formfindungen und Ausdrucksmöglichkeiten immer von Neuem spürbar lustvoll und perfekt spielerisch durchforstet. Das Fundament dafür legten zwei herausragende Hochschullehrer und Grafiker während seines Hochschulstudiums in Dresden: Gerhard Kettner und Günther Horlbeck.

Der Weltläufigkeit seines künstlerischen Werkes steht seine Bodenständigkeit im Norden Deutschlands gegenüber. Geboren vor 60 Jahren in Torgelow in Vorpommern, zog es ihn nach dem Studium wieder zurück in heimatliche Gefilde. Heute lebt und arbeitet er heute in Hamburg.

Werner Ruhnke zeigt weitgehend Radierungen aus dem letzten Jahrzehnt, wobei die Farbradierung dominiert. Die Farbe, oft als Aquarell über die grafischen Strukturen gelegt, gibt dem Blatt seinen emotionalen Grundakkord. Sie setzt die Szene, die Formgebilde ins Licht, schafft Atmosphäre. Am eindringlichsten ist das bei den Hamburg-Grafiken aus dem Jahr 2000 zu erleben im Zusammenspiel herrlich kleinteiliger, mit großer Liebe gezeichneter Häuserreihen und Hafenszenerien, die im Farbschleier ihr geheimnisvolles Leben beginnen. Im Blatt "Gelb und Schwarz" von 1991 entsteht in der Spannung beider Farben ein Magnetfeld, in dem sich kleine und kleinste Figuren – manchmal nur wenige Millimeter groß – tummeln. Mit derartigen Figuren radiert er auch seine Welt im "Wassertropfen" (2003/6), in der man die Bewahrung einer ganz persönlichen Kinderwelt zu entdecken glaubt. Bestätigung findet man in wunderbaren, kleinformatigen Farbradierungen "Im Garten der Kindheit", die am Ende der Ausstellung wieder eine Brücke schlagen zum Beginn mit den "Hängenden Gärten" (2001).

Mit geradezu spartanisch sparsamen grafischen Mitteln, Linienfragmenten, Zeichen-Setzungen verbunden mit hellen Farbstreifen, entdeckt man staunend eine Welt, die der Form suchenden und nachempfindenden Fantasie alle Tore öffnet.

Es ist eine berührende und beglückende Leichtigkeit des Seins in dieser Grafikauswahl, wohl bedenkend, dass es auch einen Falko Behrendt gab, der Ende der 1970er Jahre aus eigenem Erleben für die menschlichen und materiellen Verwüstungen im Libanon grafisch einzigartige Formgebilde fand.

info Charlottenstraße 122, bis 1. Mai, Do.–So. 14–18 Uhr.


© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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