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"Berührend und bedenkenswert"
Jubiläumsausstellung "Jeder nach seiner Fasson" mit Fotografien der Künstlergruppe "Bogota" in der Galerie Ruhnke

POTSDAM / INNENSTADT
- Galerist Werner Ruhnke stellt Fragen. Fotografen suchen ihre Antworten darauf. Befragt und hinterfragt wird das berühmte Zitat Friedrichs II., dass hier im Lande ein jeder nach seiner Fasson selig werden müsse. Wie steht’s heute mit dem Seligwerden nach eigener Fasson? Wie selig ist er selbst geworden, der große Friedrich? Was ist von seiner Person und seinem Wirken im kollektiven Gedächtnis lebendig geblieben? In welcher Weise erinnern sich Menschen heute an den "Alten Fritz"?

Die Künstlergruppe Bogota – benannt nach dem Berliner Hotel in der Schlüterstraße, einem internationalen Treffpunkt namhafter Fotografen – mit den Fotografinnen K.T.Blumberg, Beate Hoerkens, Ruth Stoltenberg und dem Fotografen Dieter Seitz hat sich mit ihren Fotografien dieser Fragen angenommen. Es beginnt mit Szenen aus Friedrichs Schlachten, aus der Mitte der Stürmenden und Sterbenden heraus fotografiert von dem Bonner Fotografen Dieter Seitz. Wer genauer hinschaut, erkennt die Zinnsoldaten, die hier Modell gestanden haben, begleitet von Aufnahmen gegenwärtiger, historisch aufgemotzter Kriegsspiele.

Die in den Interpretationsmöglichkeiten vielschichtigsten Fotos zeigt die Berlinerin Beate Hoerkens. In oft ungewöhnlichen, das Nachfragen provozierenden Bildpaaren will sie festgefahrene Bildvorstellungen aufbrechen und hinter die Fassade schauen wie etwa in der Bildkombination von Friedrichs Gesichtsfragment und dem Rückenaufriss einer geschundenen Wirbelsäule. Assoziationen sind gefragt.

Wie erschreckend nostalgisch verklärt Vergangenheit im Gegenwärtigen Bestand hat, offenbart die Hamburgerin Ruth Stoltenberg mit ihrem Blick in brandenburgische Wohnzimmer. Was sich in diesen, in den gewählten Ausschnitten hervorragenden dokumentarischen Fotos offenbart, ist berührend wie erschreckend, nicht nur in privaten Räumen, sondern auch in Geschenke-Shops.

Friedrichs Statement von der Seligkeit nach eigener Fasson hatte K.T.Blumberg aus Potsdam im Kopf, als sie Aufnahmen auswählte, die Seligkeiten der Menschen im Gegenwärtigen offenbaren, wie sie königliche Toleranz wohl kaum im Sinn haben konnte. Diese sehr gegenwärtigen Szenarien haben in einer Art Diptychon ihr Pendant in Details aus friderizianischen Denkmalen. Was beide Aufnahmen verbindet, wie sie einander kommentieren oder einfach kontrastieren, bleibt als Frage stehen.

Ein Katalog für dieses Ausstellungsprojekt im Programm zum Friedrich-Jubiläum ist vor allem auch durch den fundierten Text von Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums, hilfreich für eine Nachbereitung, gerade weil diese Ausstellung so nachdenkenswert ist.

Charlottenstr. 122, bis 26. Februar, Do.–So.14 – 18 Uhr. (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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