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Beispiele einer Künstleranatomie

Manfred Zoller in der Galerie Ruhnke

ARNO NEUMANN

Die Farbe ist es! "Ich komme von der Farbe her", bestätigt Manfred Zoller vor seinen farbigen Arbeiten, zu sehen in der Galerie Ruhnke in Potsdam. Seine Farbigkeit hat etwas "Kulinarisches" an sich - ein Wort, das er selbst einmal ins Gespräch brachte. Im Sehen meint man sie zu schmecken, zu fühlen, diese in feinsten Nuancen abgestufte, gebrochene Farbigkeit. Pointiert gesetzte Akzente reiner Farbe machen dem Augen die Delikatesse dieser Farbigkeit erst so recht bewusst.

Zoller schafft mit seinen Farben Flächen, Räume, Strukturen und gibt ihnen den Rhythmus eines in sich autonomen Bildes. Seine Bildmotive sind inspiriert von Realitäten, von Formen und Strukturen der Figur und Landschaft bis hin zum Stillleben. Im Bild verarbeitet gehorchen sie jedoch allein der Bildlogik und dem Abenteuer, Bildrealitäten zu bauen. Das nachzuvollziehen gelingt am besten bei seinen "Weinbergen", den "Gebirgen" oder beim am stärksten abstrahierten "Stillleben mit rotem Balken".

Was auf den ersten Blick sehr zufällig in der Komposition erscheint, ist präzis gebaut. Durch die sehr unterschiedlichen Konturen der Farbflächen, die das Bild optisch in Bewegung halten, wird diese Ordnung verschleiert. Ein oft zu findendes lineares Geflecht erscheint im übertragenen Sinne wie Nervenbahnen der Bildschöpfung, die sich in den Farbflächen aber wieder verlieren.

Die kleineren Collagen und Kartonbilder verdeutlichen das Gebaute seiner Kompositionen. Dem ordnen sich auch Zollers Skulpturen zu, aus drahtigem Material gebaute Tierskelettfragmente mit rhythmisch frei zugeordneten körperhaften Formstücken. Man kann sie auch sehen als Beispiele einer Künstleranatomie, die sich von dem untauglichen Erbe einer künstlerisch sterilen Zeichenakrobatik von Skelett und Muskeln des 19. Jahrhunderts befreit hat.

Gerade Zoller hat die Kompetenz für diese Entwicklung einer künstlerisch brauchbaren Anatomie. Der 1947 in Zeitz Gebürtige ist studierter und habilitierter Mediziner, ausgebildet an der Universität Rostock und dort 1974 bis 1979 als Assistenzart am Anatomischen Institut tätig. Doch schon in den Jahren zuvor drängte es ihn zu künstlerischer Arbeit. Er macht sich frei von seinen medizinischen Verpflichtungen und konzentriert sich auf Malerei und Grafik. Schon nach einem Jahr nimmt ihn der Grafiker Gerhard Kettner als Meisterschüler an die Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Dem schließt sich ein Lehrauftrag an der Hochschule an. Er übernimmt die Künstleranatomie, wo es ein künstlerisch zwiespältiges Erbe zu überwinden gilt. Seit 1990 lehrt Zoller als Professor für Anatomie und Morphologie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Vielleicht zeichnet das gerade die künstlerische Arbeit eines Anatomen aus, dass er mit vehementer Vitalität das Leben mit all dem möglichen Vokabular künstlerischer Mittel feiert. Bei Zoller ist es immer wieder die Farbe - ein unverwechselbarer, pulsierender Organismus seiner Bilder.

Hegelallee 41, bis 2. Juli, Do.-So. 14-19 Uhr.

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