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"Einmal um die Ecke"
Der Brandenburgische Verband Bildender Künstler und
Galerist Werner Ruhnke bilden eine Galeriegemeinschaft

POTSDAM / INNENSTADT - Die Geschichte des Luisenforums als Kunstquartier geht ihrem Ende entgegen. Nach dem Auszug des Brandenburgischen Kunstvereins vor Jahresfrist räumt auch die Produzentengalerie M des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstler (BVBK) ihre Räume am Ausgang zur Werner-Elflein-Straße. Die Galerie M bleibt allerdings auf Tuchfühlung zu ihrer bisherigen Adresse. Der Verband zieht mit Galerie und Geschäftsstelle gleich um die Ecke zu Werner Ruhnke, der in der Charlottenstraße 122 eine der profiliertesten Privatgalerien Potsdams etablieren konnte.

Grund für den Umzug ist laut BVBK-Geschäftsführerin Daniela Dietsche eine absehbare Mieterhöhung nach der Eröffnung des Bekleidungskaufhauses, das im Luisenforum errichtet werden soll. Das Angebot Ruhnkes kam so zur rechten Zeit. Künftig werden Galerist und BVBK die gemeinsamen Räume im Wechsel bespielen.

Die Arbeitsgemeinschaft Ruhnkes und des Künstlerverbandes lässt eine alte Tradition wieder aufleben. Als kunstsinniger Landesvorsitzender der Gewerkschaft ÖTV hatte Ruhnke dem Verband bereits in den 1990er Jahren Ausstellungsmöglichkeiten im Gewerkschaftshaus in der Puschkinallee zur Verfügung gestellt.

Seine private Kunstgalerie eröffnete Werner Ruhnke 2004 zunächst in der Hegelallee, im Hauptberuf war er zu der Zeit noch Leiter des Landesbüros der mittlerweile formierten Großgewerkschaft Verdi. Das Wirken des 2007 in den Ruhestand verabschiedeten Funktionärs sollte sich als Gewinn für die Stadt erweisen. Er formierte einen Arbeitskreis von Galeristen und ist seit Jahren der einzige Privatgalerist in der Arbeitsgemeinschaft Gegenwartskunst, mit die sich die Kunstvereine dieser Stadt Gehör verschaffen.

Zu den herausragenden Projekten Ruhnkes zählt etwa die gemeinsam mit dem Potsdam-Museum initiierte Doppelausstellung "Freiheit der Idee. 7 mal Kunst vor ’89" über Künstler aus der DDR im Jahr 2009. Ruhnke, der bis zum Mauerfall in West-Berlin lebte, hat sich, wie er auf Nachfrage sagt, selbst nie speziell mit DDR-Kunst befasst. Entscheidend für ihn sei die künstlerische Qualität der Arbeiten. Vor einiger Zeit habe er selbst mit Überraschung festgestellt, das mehr als die Hälfte der regelmäßig von ihm ausgestellten Künstler in der DDR groß geworden ist.

Nach Partnern beim Betrieb der Galerie habe er schon seit einiger Zeit gesucht, weil er sich über die Ausstellungstätigkeit hinaus auf die Förderung einiger Künstler konzentrieren wolle. Dazu zählt auch die Vermittlung von Ausstellungsmöglichkeiten an anderen Orten. So werde die aktuelle Fotoausstellung "Jeder nach seiner Fasson" der Berliner Künstlergruppe Bogota zum Friedrich-Jubiläum nach dem Abbau bei Ruhnke für einen Monat im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt und danach vielleicht auch außerhalb Brandenburgs zu sehen sein.
(Von Volker Oelschläger)

"Jeder nach seiner Fasson" in der Galerie Ruhnke, Charlottenstraße 122, noch bis 26. Februar, Do.–So. 14–18 Uhr

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