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AUSSTELLUNG: Fabelwesen aus Elektroschrott
Objektkünstlerin Marina Schreiber in der Galerie Ruhnke / Vernissage am Sonnabend

POTSDAM / INNENSTADT - Marina Schreiber, Bildhauerin, Malerin und Objektkünstlerin, hat reichlich eingekauft im Fachhandel für Elektronik-Bedarf. Was sie daraus baut, funktioniert technisch überhaupt nicht. Jeder Technikfan wird entsetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen, sieht er Marina Schreibers Objekte. Oder aber bei den Besuchern – und das dürfte die Mehrzahl sein nach der Präsentation ihrer Fantasiegebilde in der Galerie Ruhnke – stellt sich Verwunderung, ja sogar Entzücken darüber ein, wie schön technische Dinge zweckentfremdet sein können. In ihrer funktional bedingten Form und Farbe verbirgt sich künstlerisches Potential. Kunst und Technik haben sich bei Marina Schreiber gefunden.

Doch allein damit ist es nicht getan. Die Natur liefert die Inspiration. Dabei kommt die Bildhauerin ins Spiel. So fantasievoll die Figurationen, so filigran die Verarbeitung des Materials, immer ist es die große Form, die alles zusammenhält. Die Objektkünstlerin findet organische Formen, die zu atmen scheinen. Sie sind gerundet, von innen her aufgeblasen, ähneln entfernt inneren Organen. Andere scheinen im Zurückziehen und Ausstülpen der Formen rhythmisch zu pulsieren. All das ist gemacht aus unterschiedlichen Drähten von mattem Grau bis glänzendem Silber, verknotet mit kleinen elektronischen Widerständen, mit farbigen Pailletten besetzt und Perlen geschmückt und zu einem herrlich spannungsvollen Netz geflochten. Erwähnt sei mehr oder weniger zufällig die Raupenkönigin, ein gut 30 Zentimeter langes Drahtgetier von glitzernder Schönheit, geschützt von überall hervorstechenden Drahtspitzen, umgeben von allerlei Kunst-Urgetier. Es ist das Schöpfungsszenarium einer faszinierenden Kunstwirklichkeit.

Im hinteren Galerieraum geht es in die Farbe, grell und intensiv. Aus dem Geflecht ist eine geschlossene Form geworden mit einer hinreißend schön, farbig und grafisch strukturierten Haut. Schlichtweg Entzücken aber stellt sich ein vor den zehn handgroßen Insekten, wahre filigran stachlige Schmuckstücke, die allerdings, würden sie als Schmuck genutzt, die Trägerin recht unnahbar machen würden.

All das kriecht die Wände empor, hängt an der Decke oder präsentiert sich auch einmal auf einem Sockel, wo es aber eigentlich nicht hingehört. Man vermeint in der Stille der Räume einen leisen Klangteppich, ein Summen und Brummen zu vernehmen. Und wer eine Sonnenbrille mit blauen Gläsern besitzt, sollte sie zum Galeriebesuch mitnehmen und einmal aufsetzen. Die Galerie wird zum Unterwasseraquarium.

Charlottenstr. 122, Eröffnung am Sonnabend, 17. April, 16 Uhr; Ausstellung bis 5. Juni, Do.-So. 14-18 Uhr,
Kontakt unter 01577/29 58 104. (Von Arno Neumann)
© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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