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AUSSTELLUNG: Sehr nobel
Konkrete Kunst mit "Papier konkret" in der Galerie Werner Ruhnke

POTSDAM / INNENSTADT - Zweimal Konkrete Kunst in Potsdamer Galerien ist ein Ereignis, wie immer man auch die einzelnen Expositionen in ihrer Eigenständigkeit wertet. Nach dem Kunsthaus im Ulanenweg mit "Strich und Faden" zeigt jetzt Werner Ruhnke in seiner Galerie mit "Papier konkret" eine Auswahl Konkreter Kunst. Unterstützt hat ihn die Galerie St. Johann in Saarbrücken.
Begrifflich fixiert ist diese Kunstrichtung seit 1930 durch Theo van Doesburg. Obwohl zur abstrakten Kunst gerechnet, verneint sie den Vorgang der künstlerischen Abstraktion. Die bildnerischen Elemente sind autonom, sie stehen für sich. Bei Ruhnke ist es das Papier, nicht in seiner gewissermaßen dienenden Funktion, sondern als eigenständiges Gestaltungsmittel. In der Behutsamkeit und Sorgfalt der Bearbeitung – auch ein Kriterium der Konkreten Kunst – offenbart sich das ästhetische Potenzial, gebündelt in einer Auswahl höchst interessanter und vielseitiger Beispiele.
Zwei aus handgeschöpftem Papierfaserbrei geformte Blätter von Helmut Dirnaichner, eingefärbt in den Farben von "Malachit" und "Lapislazuli", erinnern an die Geburt des Papiers, für Konkrete Kunst sind sie fast schon zu konkret in ihren assoziativen Intentionen. Ebenso schwierig ist es, bei Oskar Holwecks ästhetisch noblem Reißobjekt die Symbolik eines durchstochenen, durchschossenen Buches zu verdrängen. Papier als Körpervolumen erarbeitet Ole Müller. Aus gepressten und immer wieder lackierten Papieren entwickelt er eine Art von Papierziegeln mit emailleartiger Oberfläche.
Konkrete Kunst im Dialog mit konkreter Lyrik erlebt man bei Jo Enzweilers Mappenwerk mit Prägedrucken. Eugen Gomringer ist der Verfasser von korrespondierenden Texten wie "enzweiler prägt die farben ein als spiegel sich zu beweisen gegen schwarz und grau". Günther Ücker hat eines seiner Nagelbilder als geheimnisvollen Aufruf, ähnlich einer Blindenschrift, in Papier geprägt. Lupenreine Konkrete Kunst sind die gestalterisch brillanten "Streifenquadrate" von Peter Weber. Die ästhetische Ausstrahlung der Ausstellung bei Ruhnke ist wieder einmal perfekt. (Von Arno Neumann)
Charlottenstraße 122, bis 30. Oktober, Do.–So. 14–18 Uhr.
Am Sonnabend, 22. Oktober, gibt es in der Galerie eine Performance "Misserfolg und mehr" für Kontrabass und Stimme
mit Matthias Bauer, Beginn: 19 Uhr.

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam


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