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» Landkreise » Potsdam » Regionale Nachrichten 11.09.2007

Leidenschaft für Oberfläche

Skulpturen, Ölmalerei und Radierungen von Volker Bartsch bei Ruhnke

ROGER DRESCHER

Die Galerie Ruhnke zeigt bis Ende September Skulpturen, Ölmalerei und Radierungen von Volker Bartsch. Der 1953 in Goslar geborene Künstler verlegte vor zehn Jahren seinen Wohnsitz nach Wildenbruch, wurde aber bisher in Brandenburg in einer Ausstellung noch nicht gezeigt. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine großen Metall-Skulpturen im offenen Raum. Eine seiner Skulpturen aus Bronze steht in der Hauptverwaltung der Mevag in der Zeppelinstraße. Eine weitere Großskulptur wurde am vergangenen Donnerstag aus Anlass des 50. Jahrestag der Freien Universität Berlin vor dem Henry-Ford-Bau in Dahlem eingeweiht.

Seit 1981, der Beendigung seines Studiums an der Hochschule der Künste Berlin, ist eine Kontinuität im Werk des Künstlers erhalten geblieben: Die Faszination für die Oberfläche des Materials, etwa für den stumpfen Glanz von Stahlflächen oder die mit Patina überzogene Bronze. Die Schweißnähte und Spuren der Schleifmaschine lässt Bartsch ganz unbehandelt an Flächen und Kanten stehen, das gibt seinen Skulpturen etwas kraftvoll Urwüchsiges, sie wirken wie unfertig und noch in der Bewegung eines Wachstums stehend. Massive, geschweißte Vierkantprofile bilden Keile und Stelen, die sich gegenseitig stützen und durchdringen, es sind archaisch anmutende Konstruktionen die in ihrer Massivität schwer und erdgebunden auf dem Sockel ruhen.

Auf den ersten Blick wirken sie etwas spröde und abweisend, und ganz und gar frei von der Absicht zu gefallen. Doch bei näherer Betrachtung nimmt man eine sehr subtile Spannung wahr. Viele der Skulpturen scheinen sich nach oben zu öffnen, sie werden leichter und elastisch, wie von einem Auftrieb bewegt, der sich gegen Masse und Wucht der unteren Konstruktion stemmt.

Die Kraft des Gegensatzes als vorherrschendes Prinzip findet man auch in den Ölgemälden wieder. Flammende Flächen in Gelb oder Rot kontrastieren auf schwarzen Hintergrund. Ein Bild ohne Titel (Tempera auf Leinwand, 2006) zeigt stelenartige Gebilde, die wie die Skyline einer Großstadt in den Nachthimmel wachsen und auseinanderzubrechen scheinen. Nicht nur in diesem Bild entfaltet der hastig und nervös wirkende Farbauftrag mit Kratzern und sich ineinander verbeißenden Farbfetzen eine morbide, ja fast apokalyptische Stimmung. Für Bartsch ist die Malerei auch eine verkürzte, skizzenhafte, und auf zwei Dimensionen reduzierte Skulptur.

Die umfangreiche Ausstellung zeigt erstmals ein neues Thema im Werk des Künstlers. Es sind Radierungen, die den menschlichen Kopf thematisieren, und schon die Titel, wie Querdenker, Nachdenker, Aus-, Mit-, und Weitdenker verweisen mit ihrem ironischem Anklang auf eine weichere Gangart. Diese "Denkköpfe", aber auch Bilder wie "Erwachen" und "Tagtraum" sind in leichten und hellen Farben gehalten und mit einer zarten, reliefartigen Struktur überzogen – das Ergebnis eines aufwendigen Druckverfahrens, für das Bartsch mit einem Drucker in Braunschweig zusammenarbeitet.

Galerie Ruhnke, Hegelallee 41, bis 30. September, Do./Fr. 14 bis 18 Uhr, Sa./So. 11 bis 18 Uhr.

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