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Potsdam » Lokalnachrichten 10.06.2011

AUSSTELLUNG: Verwandlungen
Michael Arantes Müller und Hans Hoepfner in der Galerie Ruhnke


POTSDAM / INNENSTADT - Sein Atelier ist ein friedfertiges Arsenal von Fundstücken aus Natur und Zivilisation, weggeworfen, ausgesondert, übersehen, für den banalen Gebrauch unnütz geworden. Für Michael Arantes Müller ist es ein Fundus künstlerischer Inspiration und Arbeit. Geboren 1953 in Berlin, studiert er Anfang der 1980er Jahre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und arbeitet danach freiberuflich im sächsischen Wittgensdorf. 1991 erhält er einen Lehrauftrag an der Sommerakademie in Salzburg.

Zwei Jahre später wird er Stipendiat des Bundeslandes Amazonien in Brasilien, dem Land, mit dem er durch seine Heirat auch familiär verbunden ist. Sichtbar wird das in seinen Farbholzschnitten, in denen er auch traditionelle Motive der Amazonas-Indianer verarbeitet, zu sehen jetzt in der Galerie Ruhnke. Zwar hat sich Werner Ruhnke in seiner Galerie-Präsentation auf den Farbholzschnitt konzentriert. Doch davon ausgenommen und unbedingt beachtenswert sind zwei Schwarz-Weiß-Drucke aus dem Jahr 1986 zu Tschernobyl, die von eigener Aktualität sind.

Empfangen wird der Besucher von einem doppelteiligen Farbholzschnitt "Piano". Wer in den gespiegelten Farbflächen den Deckel eines Stutzflügels zu erkennen glaubt, liegt durchaus richtig. Hellsichtig geworden, findet man auch in den weiteren Farbholzschnitten immer wieder Druckstöcke aus Müllers Raritäten-Fundus.

Im Druck werden sie zu einem zweiten, kreativen Leben erweckt. So auch bei den großzügig figürlichen Holzschnitten. Da findet sich immer wieder ein fliehendes oder auch sich jagendes Paar, da taucht – fast schon wie ein persönliches Signum – der in den "Metamorphosen" zum Schwein verzauberte Odysseus immer wieder auf. Diese Holzschnitte sind köstlich phantasievolle Erzählungen, so man sich darauf einlässt. Und man kann nachvollziehen, wie diese Arbeiten im Kombinieren der Druckstöcke entstanden sind. Aus der Betrachtung von Kunst wird, in der Brechtschen Formulierung, eine äußerst vergnügliche Kunst der Betrachtung.

Diesen auch farbig so bewegten wie gleichermaßen begeisternden Druckgrafiken steht die kühle Eleganz der Stahlskulpturen von
Hans Hoepfner gegenüber. Inspiriert von der Ästhetik technischer Formen schafft er durch eine variierende Addierung ein Formgebilde, das einen Rhythmus ausstrahlt, der musikalische Assoziationen initiiert. Der gebürtige Leipziger studierte Bildhauerei an den Kunsthochschulen Burg Giebichenstein und Berlin- Weißensee sowie an der Hochschule der Künste in Berlin. Neben der in einer exquisiten Auswahl bei Ruhnke gezeigten freien Skulptur arbeitet er mit bei vielfachen Projekten "Kunst am Bau".

Charlottenstraße122, bis 3. Juli, Do.–So. 14–18 Uhr, Kontakt unter 505 80 86. (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam


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