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Es lebt lautlos
Ausstellung "Gärten der Erinnerung" von Falko Behrendt in der Galerie Ruhnke / Vernissage am Sonnabend

Gärten, Wälder, Häuser und Häfen, dazu unzählige Strichmännchen mit großen Köpfen. Es gibt viele solcher Motive, die immer wieder zu finden sind auf den teils schwerelosen Arbeiten Falko Behrendts, der zum zweiten Mal nach 2011 eine Personalausstellung in der Galerie Ruhnke hat. Am Sonnabend ist die Eröffnung. "Osterspaziergang" aus dem Jahre 1991 gleich dem Eingang gegenüber ist eines der größeren Bilder, das beispielhaft steht für Behrendts Freude an der Schöpfung eigener Welten. Es wimmelt nur so zwischen dem zur Linken hoch aufscheinenden Gelb und dem rechts unten vergehenden Sockel aus schmutzigem Blau. Und es wimmelt lautlos, als stünde zwischen dem filigran radierten Leben und dem Betrachter eine von den Farbschatten markierte Scheibe aus dickem Plexiglas.
Falko Behrendt ist ein exzellenter Grafiker und ein großartiger Geschichtenanreger dazu. Thematisch wiederkehrende Bildstudien wie "Juttas Garten" mit Zweigen, einem Grasbüschel oder auch "Zwei unbekannten Pflanzen" bereiten ein fast sinnliches Vergnügen und wecken Neugier darauf, was es mit dem Garten und dieser Frau Jutta eigentlich auf sich hat? Auch "Am Roßbauer" ist so ein fast seriell wiederkehrendes Motiv. In seiner farbkräftigsten Ausbildung zeigt es den von einer blühenden Staude halb verdeckten Eingang in ein Haus mit pechschwarzer Balkenwand. An anderer Stelle findet man das Motiv wie vergessen als leise Zeichnung ganz ohne Farbauftrag.
Licht und Leichtigkeit sind das Signum Falko Behrendts gerade auch bei Arbeiten, die auf den ersten Blick das Gegenteil verheißen. Die Farblithografie "Landschaft mit grünem Haus" ist so ein Fall, bei dem der Blick durch eine Lücke zwischen hässlich braunen Planken über ein grünliches Gebäude mit den Gesichtszügen eines fröhlich grinsenden Monsters hinweghuscht, bis er schließlich in der Tiefe bei einem kräftig blauen Schiffsbug vor einem weißen Nichts verharrt.
Falko Behrendt, geboren 1950 in Torgelow (Mecklenburg/Vorpommern), studierte an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Seit dem Studium arbeitet er als freischaffender Künstler. 1991 zog er nach Lübeck, zwischenzeitlich lebte er in Hamburg. In seinen Bildern finden sich mit Werft- und Hafenmotiven immer wieder Liebeserklärungen an die Hansestädte. Falko Behrendt war einer von sieben Künstlern, die zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in einer Gemeinschaftsausstellung "Freiheit der Idee – 7mal Kunst vor ’89" in der Galerie Ruhnke und im Potsdam-Museum künstlerische Positionen der Vorwendezeit mit der Gegenwart abglichen.
"Gärten der Erinnerung" ist der poesievolle Titel der aktuellen Ausstellung. Programmatisch ist die Farbradierung "Annäherung an eine Landschaft (Große Enge)" mit Wäldchen und arkadischen Ruinen auf flachen Inseln vor einer fern am Horizont stehenden Wolkenwand. Ganz am Ende im Kellergeschoss der Galerie findet sich eine verblasste Variante dieser Landschaft, aus der die Insel mit dem Wäldchen komplett verschwunden ist.
Charlottenstraße 27, Vernissage am Sonnabend, 16 Uhr; Ausstellung bis 10. März, Mi–So 14–18 Uhr. (Von Volker Oelschläger)


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