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Kontroverser Zeitgenosse
Späte Bilder von Hermann Bachmann in der Galerie Ruhnke
Von Arno Neumann

INNENSTADT - Ein Kunstereignis ist es. Der Galerie Ruhnke gelang es, noch nie gezeigte Werke aus den letzten Schaffensjahren von Hermann Bachmann in einer exquisiten Ausstellung zu präsentieren.

Hermann Bachmann, vor seiner Emeritierung von 1957 bis 1987 Dozent, später Professor an der Hochschule der Künste, verstarb nach schwerer Krankheit 1995 in Karlsruhe.

Persönlichkeit und Werk sind ein Stück deutsch-deutscher Kunstgeschichte. Als einen der kreativsten Köpfe der "Hallenser Schule" Anfang der fünfziger Jahre vertrieb man ihn durch Schmähungen seiner Arbeit und persönliche Diffamierungen aus der damaligen DDR. Er ging zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin, 1953 nach Westberlin. Hier fand er Anschluss an den wegen seines Realismus heftig befehdeten Kreises um Karl Hofer.

Hermann Bachmann ist zeitlebens seinem Ruf treu geblieben, ein "kontroverser Zeitgenosse" zu sein, so benannt in einem Interview. Den Nazis war er ein "Wehrkraftzersetzer", den SED-Funktionären ein "Verräter der Arbeiterklasse" und den Bürgerlichen zur Zeit des 68er Studentenaufbegehrens ein "Kulturbolschewist". Er selbst sah sich ungebrochen auf der Seite der "Verdammten dieser Erde".

Diese Unbedingtheit seiner Haltung trägt und durchdringt sein Werk. Es ist von unbedingter Konzentration. Gegenständliches in bildnotwendiger Abstraktion verdichtet sich zu Balken, Kreuz – bis zum Kreuz der Windmühlenflügel –, Buchstabe, Kopf und "Männer als Bildmenschen", so seine Worte. Diese Zeichen hinterfragt er immer wieder in seinen Bildkompositionen.

Prägende Bedeutung in seinen farbigen Arbeiten hat das Grau, ein Grau, das alle Farben in sich trägt. Seine letzten Arbeiten, gezeigt bei Ruhnke, hingegen bersten vor intensiver Farbigkeit. Es ist eine Kühnheit und Leuchtgewalt in den Farben, die schon bitter schmeckt. Sichtbar oft geht es um den Dreiklang Schwarz-Rot-Gold, in figurativen Chiffren wie in waagerechten Streifen, mit halb verdeckter Sonne bei einem Blatt und dem Titel "Nicht nur Sonne". Die Windmühle ist dabei, das Kreuz in drei rätselhaften, gesichtslosen "Kreuzpuppen" und immer wieder Buchstaben, die gleich Wortmüll das Bild zu verschütten scheinen.

Zwei Schlüsselbilder gibt es. Auf dem einen stehen sich zwei Figuren gegenüber, aggressiv und abwehrend, offensichtlich "Motivzeichen" – um einen Begriff von Eberhard Roters zu gebrauchen – für die Erfahrungen eines Lebens. Ein senkrechter kaltblauer Balken zwischen den Kontrahenten birgt und offenbart all die Spannungen eines Lebens. Und dann, etwas abseits gehängt, findet sich das Motiv der Badenden, allgemein ein thematisches Highlight der Kunstgeschichte, hier von dunkelblauen Wellen umspülte und überspülte schwarze Schatten von Figuren. Welche selten gesehene Sanftheit in den tiefdunklen Farben, die sich in sich zurückgezogen haben. Welch ein künstlerisch phänomenaler, menschlich berührender Abschied!

info Hegelallee 41, bis 13. Januar, Do./Fr. 14-18 Uhr, Sa./So. 11-18 Uhr und nach Vereinb. unter 5058086.

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