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Potsdamer Stadtkurier, 03.11.2010
Ein Fest der Ästhetik
Ausstellung: Konkrete Konzepte mit zwölf Beteiligten in der Galerie Ruhnke

Die Konkrete Kunst ist ein Experimentierfeld mit ganz eigener ästhetischer Wirkung. Die Galerie Ruhnke offeriert mit Beiträgen von zwölf Künstlern ein Paradebeispiel.

Von Arno Neumann

INNENSTADT Es ist ein Ereignis, was Werner Ruhnke gegenwärtig in seiner Galerie in der Charlottenstraße zu bieten hat. Es ist eine exzellente internationale Kabinettausstellung Konkreter Kunst. Sie reiht sich ein in eine verstärkte, Landesgrenzen überschreitende Präsentation jener seit 1930 als Konkrete Kunst bezeichneten Arbeiten mit dem immer wieder erneuten Erkunden und Ausloten elementarer künstlerischer Mittel.

Zwölf Künstler sind mit ihren Werken präsent: John Carter aus London, Jean-Francois Dubreuil aus Paris, der Saarländer Jo Enzweiler, Johannes Geccelli aus dem brandenburgischen Jühnsdorf, der Französisch-Schweizer Hans-Jörg Glattfelder, der Ungar István Haász, Ewerdt Hilgemann aus Amsterdam, der Linzer Josef Linschinger, Jan Meyer-Rogge aus Hamburg, Ben Muthofer aus München, Sigurd Rompza aus Saarbrücken und schließlich Klaus Staudt aus Frankfurt am Main.

Trotz dieser Vielzahl von illustren Künstlern und ihrer Werke in drei Räumen wirkt die Präsentation weiträumig. Eine noble Stille herrscht. Es ist ein kleines, aber feines Fest der Ästhetik in autonomer Wirkung der bildnerischen Elemente und ein Genuss in der sorgfältigen technischen Realisation. Welche Wirkung allein hat ein, vom Format relativ kleines, an der Wand angebrachtes schwarz-rotes Formelement von Sigurd Rompza. Einen verdeckten kunstpädagogischen Aspekt haben auch die Arbeiten von Jean-Francois Dubreuil in ihrer dynamisch korrespondierenden Wirkung von Farbe, Linie und Fläche.

Ein skulpturales Ereignis sind die implodierten Aluminiumquader von Ewerdt Hilgemann. Eine Lichtüberraschung ist die Stele Ben Muthofers im kleinen Galeriehof. Man sollte die Galerie bei beginnender Dunkelheit besuchen. Licht wird zum Formereignis in den aus kleinen, gleichförmigen Keilen geordneten Reliefs von Klaus Staudt.

Innerlich bewegt steht man vor den Arbeiten Johannes Geccellis. Er, der mit seiner virtuosen und gleichermaßen handwerklich peniblen Farbstreifenmalerei dem Orchester Konkreter Kunst einen ganz eigenen Klang hinzugefügt hat, unterbricht in seinen jüngsten Arbeiten die Farbstreifen, schiebt die gemalte Fläche beiseite und gibt so dem Bildgrund, der Leinwand ihren im Dialog mit den Farbflächen ganz eigenen Wert.

info Charlottenstr. 122, bis 14. Nov., Do.–So. 14–18 Uhr, Tel. 5 05 80 86
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