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Intervall und Rhythmus
Arbeiten von Bettina Blohm und Susanna Niederer in der Galerie Ruhnke
ARNO NEUMANN

Ein leicht in der Horizontalen abfallender Strich, darauf sparsam gesetzt eine in der Kontur unregelmäßige schmale Fläche, auslaufend zum rechten Bildrand hin eine zarte Linie. Das alles ist minimal in den Mitteln und maximal im Ausdruck. Für den Betrachter ist es ein Signal für Landschaft, für Wald, Hügel, Feld wie auch Strand und Wasser, für Wärme und Kühle, Helligkeit und Dämmerlicht und manches mehr. Soviel schauende Personen, soviel persönliche Interpretationen.

Es ist eine der Farbstiftzeichnungen von Bettina Blohm in der Ausstellung "Intervall und Rhythmus" der Galerie Ruhnke. Man möchte Max Liebermann mit seinem populären Satz "Zeichnen ist Weglassen" zitieren. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Bei Bettina Blohm wird nicht nur weggelassen, hier wird ein minimalistisches Formenrepertoire angeboten, das die Realitätserfahrungen des Betrachters animiert, wach rüttelt, damit er ohne Bild-Diktat der Künstlerin zu seinem eigenen Bild findet. Ihre Formangebote sind Bausteine für die Sinne. Bettina Blohms Zeichnungen haben dabei durchaus ihre eigene künstlerische Kompetenz. Abstrahierend versteht sie es hervorragend, Realitätsbestände in relativ wenigen Strukturen im Spannungsraum von intensiv dunkler Fläche bis zu haarfeinen Liniengeflechten zu sublimieren.

Bettina Blohm wurde in Hamburg geboren, studierte in München und ging vor gut 20 Jahren in die USA. Die Inspiration für ihre ausgestellten Arbeiten aus den letzten Jahren, darunter technisch hoch interessante Radierungen, erhielt sie in der Landschaft im weiteren Umkreis von New York.

Klug gewählt in Korrespondenz zu Bettina Blohm sind die Skulpturen wie auch Papierarbeiten von Susanna Niederer, zur Perfektion in die Form gebrachte Ellipsen, als Körper wie auch als Scheibe Besondere Aufmerksamkeit erregen ihre Arbeiten mit selbst geschöpften und geschichteten Papieren oder mit aus weißer Fläche gestanzten, rhythmisch geordneten Ellipsen-Reihungen gleich Notenschriften. Susanna Niederer lebt und arbeitet in Zürich mit künstlerischen Erkundungen von Mexiko bis Japan.

Der Betrachter erlebt die Ellipse als die auch von der Natur vorgegebene ideale Form, die alle Formen in sich trägt, Ruhe in der Spannung findet. Für Susanna Niederer ist die Ellipse Zeichen der Leere, ein Metazeichen für die Auslassung in Bild, Ton und Wort. Hier die Ellipse, dort die Pause und der Punkt. Doch Pause und Punkt geben Musik und Wort erst den Rhythmus, den Pulsschlag. Ist das Leere? Man wird über die Ellipse als Zeichen der Leere streiten müssen. Man sollte sich aber vor allem an der beruhigenden Schönheit der Form erfreuen.

Hegelallee 41, bis 11. November, Di.-Fr. 14-18 Uhr, Sa./ So. 11-18 Uhr.

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