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Kleiner Grenzverkehr

Fotografien von K.T. Blumberg und Wojtek Skowron in einer Ausstellung der Galerie Ruhnke im Kunsthaus „Sans titre“

Von Volker Oelschläger
INNENSTADT Zum zweiten Mal gastiert die Galerie Ruhnke mit einer Fotoausstellung im Kunsthaus "Sans titre". Und wie im August 2012 ist die Fotokünstlerin K.T. Blumberg beteiligt. Vor einem Jahr präsentierte sie gemeinsam mit Dieter Seitz in der Ausstellung „Wut – Enttäuschung – Hoffnung“ Bilder aus Athen. Emotional gemäßigter nicht nur im Titel "Kleiner Grenzverkehr – Maly ruch graniczny" ist die aktuelle Ausstellung von K.T. Blumberg und dem polnischen Filmemacher Wojtek Skowron, die am Sonnabend um 16 Uhr eröffnet wird. Der Untertitel "Bilder aus Polen und Deutschland" suggeriert allerdings eine nicht vorhandene Ausgewogenheit, denn Motive aus Deutschland sind die Ausnahme.
Wojtek Skowron hat sich für die Ausstellung mit Sinn für eigenwillige Perspektiven auf die Suche nach Orten, Räumen und Dingen begeben, die Emotionen und Stimmungen, Komik, Heiterkeit, Melancholie, vielleicht auch Trauer ausstrahlen. Mit einer seltsamen Magie lockt das Meer in dem kleinen Ausschnitt, den die Scharte dem Betrachter im düster-kühlen Mauerwerk der Bastion lässt. Das Geländer am Weg über die Düne zum Strand leuchtet vor den blass verschwimmenden Konturen von Strand und Meer in einem ganz intensiven Gelb. Der Schatten des Zimmervorhangs steht bei fast waagerecht einfallendem Sonnenlicht an der Nachbarwand. Ein dickes Heizungsrohr liegt quer vor der Panoramaaufnahme eines offenkundig sanierungsbedürftigen Wohnblocks. Einer wohlgeformten hellen Skulptur ragt ein dürrer Haken aus dem Rücken. Ein nass schimmernder Fußgängertunnel stellt unsere Seherfahrungen auf die Probe, weil sich an den langen Wänden kein einziges Graffito entdecken lässt. Wojtek Skowron mag es, wenn Orte und Dinge aus der Reihe des Gewohnten tanzen. Er sagt, dass solche Motive leichter in Polen als in Deutschland zu finden seien. Menschen gibt es auf keinem seiner Bilder. Doch alle Kulissen sind vom Menschen gemacht.
Skowron, der als Künstler regelmäßiger Gast im Berliner "Club der polnischen Versager" ist, war in der Galerie Ruhnke vor einiger Zeit mit Zeichentrickfilmen. Die Idee zum gemeinsamen "Kleinen Grenzverkehr" mit K.T. Blumberg verdankt sich nicht zuletzt dem wachsenden Interesse der Fotografin am Alltag in unserem Nachbarland.
2012 begann die in Neu-Seddin lebende Künstlerin mit einer intensiven Erkundung polnischer Regionen entlang der Oder von Sczeczin bis Slubice. Blumbergs Fotografien sind atmosphärisch dicht mit Blick für originelle Details und ganz beiläufig auch voller Informationen über Land und Leute. Mit Skowron gemeinsam hat sie den Sinn für das eigenwillige Motiv: Die steinerne Soldatenfigur, die sich am Eingang des Dorfmuseums mit der Maschinenpistole duckt, die Kommunion mit drei Mädchen in weißen Kleidern, die Hände zum Gebet gefaltet, und einer Mama daneben mit einem Adler-Tattoo auf dem Oberarm, ein vergoldetes Marienrelief mit Jesuskind hinter Glas, die Gesichter abgeblättert und zu Boden gefallen, zwei auf der Treppe sitzende Männer mit Blick auf die vom Hochwasser überschwemmte Promenade. Und dann sind da die Schatten von zwei jungen Menschen mit Reisetaschen im Nebel unter einem labyrinthischen Gebilde von Hochstraßen mit der Frage nach dem Wohin? K.T. Blumberg will ihrer ersten Polen-Serie weitere Aufnahmen folgen lassen. Für den nächsten "Kleinen Grenzverkehr" will sie zum Bug reisen, der Polen von der Ukraine und Weißrussland trennt.
info "Sans titre", Französische Straße 18, Eröffnung Sa 16 Uhr. Ausstellung bis 25. August, Mi–So 14–18. Begleitprogramm auf www.galerie-ruhnke.de.

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam



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