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» Märkische Allgemeine » Landkreise » Potsdam » Regionale Nachrichten » 02.06.2007

Die Geburt einer Skulptur

Menzen und Schmetjen bei Ruhnke

ARNO NEUMANN

Für Wolfgang Ruhnke ist es eine seiner bisher schönsten Ausstellungen, dieser sich harmonisch inspirierende Zweiklang von Skulptur und Malerei in den Räumen seiner Galerie. Dem ist nicht zu widersprechen. Die Korrespondenz von Skulptur und Malerei ist zu einem Markenzeichen der Expositionen der Galerie Ruhnke geworden. Ideale Paarungen sind ein Glücksfall. Diesmal ist es jedoch einer mit den Skulpturen von Karl Menzen und der Malerei von Arno C. Schmetjen.

Karl Menzens Skulpturen sind erst einmal Präsentation des Materials, hier vorwiegend Stahl und Edelstahl. Menzen, geboren 1950, wendet sich nach einem Studium der Werkstoffwissenschaften der Bildhauerei zu. Er weiß gewissermaßen um den Organismus des Materials, mit dem er umgeht. Er liebt es in seiner Eigenart. Er führt uns in genialer Einfachheit vor, was ein kompaktes Stück Stahl vermag: zwei Schnitte in einen Stahlblock, an den Schnittstellen gedreht, auch leicht gekippt und die künstlerische Überraschung ist perfekt. Das Material wird nicht ausgetrickst.

Karl Menzen gleicht einem sensiblen Lehrer, der dem ihm Anvertrauten die Chance gibt, sich künstlerisch zu entfalten. Wem fallen hier nicht die Goethe-Worte ein, dass sich erst in der Beschränkung der Meister zeigt!

An sie fühlt man sich auch erinnert, wenn man vor den grafischen Arbeiten Arno C. Schmetjens steht. Der 1957 Geborene erhielt seine Ausbildung in Freier Malerei an der Fachhochschule Hannover/Herrenhausen und hat Wohnsitz und Atelier seit 1994 in Werder/Havel. Seine Arbeiten mit Chinatusche und Acryl auf Chinapapier sind Meisterstücke künstlerisch komprimierter Bildorganisation. Sie befördern Emotionen und sind gleichermaßen offen für genussreiches Entschlüsseln dieser Bildorganisation. Wie genau ausgewogen Dynamik in die Komposition der meist wenigen Bildobjekte gebracht, wie rund zu eckig, Fläche zu Linie gesetzt und Farbe akzentuierend ins Bild gebracht wird! Immer wieder verblüffen Schmetjens Arbeiten durch den beherrschten Zufall, wie es beispielsweise seine balkenartig aufgetragenen, ausfasernden Flächen zeigen.

Seine Collagen atmen Ruhe und Ordnung, vitalisiert durch die unterschiedlichen Materialien. Auf den großformatigeren Arbeiten wird Farbe zur transparent erscheinenden, vielschichtigen Farbhaut. Seine über ein Meter hohe und einen halben Meter breite Malerei "Das leere Gefäß des Laotse" – eine der wenigen betitelten Arbeit – wirkt wie ein Aufbrechen aus der kreativen Disziplin der kleineren Formate. Das Bild erhielt den Brandenburgischen Kunstpreis.

Ausstellung in der Hegelallee 41, bis 24. Juni, Do./Fr. 14- 18 Uhr, Sa./So. ab 11 Uhr und nach Vereinb. ( 505 80 86).

Am 10. Juni, 16 Uhr, Gespräch mit Karl Menzen "Die Geburt einer Skulptur" (mit Video) in der Galerie.


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