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AUSSTELLUNG: Naturgegebene Schönheit

Fotografie von Stephen Althouse und Skulptur von Stefan Sprenker in der Galerie Ruhnke


POTSDAM / INNENSTADT - Fotografie und Skulptur haben in der aktuellen Ausstellung der Galerie Ruhnke zu einer überraschenden Symbiose gefunden. Stephen Althouse ist der Fotograf großformatiger Werkzeugporträts in edelstem Schwarz-Weiß. Geboren 1948 in Washington DC, ist der ausgebildete Bildhauer nach einer siebenjährigen Professur für Fotografie heute Direktor des Fachbereiches Kunst an der Barry-Universität in Miami. Museen in Berlin, München und Köln besitzen seine Fotografien.

Seine Motive sind im Gegenständlichen sparsam: Während eines Arbeitsaufenthaltes in Belgien 2004 sammelte er in Bauernhäusern alte Werkzeuge und Arbeitsgeräte. Auf Leinentücher gelegt fotografierte er sie mit einer Großformatkamera, die gestochen scharfe Bilder liefert. Es sind Aufnahmen von strenger Sachlichkeit. In der peniblen Ordnung auf dem Blatt, dann aber in den hinreißend schönen, kontrastreichen Oberflächenstrukturen von Metall, Holz und Gewebe liegen die ästhetischen Qualitäten dieser Aufnahmen. Es sind Denkmale menschlichen Lebens von den Mühen der Arbeit: die Schafschere mit dem herrschaftlichen Ordensband, der Hammer mit der rätselhaften Blindenschrift, der Heurechen mit dem angeknüpften Leinentuch, dessen Faltenwurf wie ein Zitat mittelalterlicher Malerei wirkt. Nicht erst bei "Heilige Zange" entsteht der unterschwellig sakrale Eindruck dieser Präsentation.

Bei Stefan Sprenkers bildhauerischer Arbeit ist der naturgegebene Stein nicht allein Ausgangsmaterial, sondern bereits Resultat künstlerischer Entdeckungen. Seine Arbeit ist die Aufdeckung naturgegebener Schönheit. Der 48-Jährige lernte Zahntechniker, absolvierte aber bald ein Bildhauerstudium in Bonn. Er lehrt als Dozent in Italien und ist Mitglied eines schwedischen Künstlerkollektivs. Er arbeitete in diesem Sommer in Schweden und brachte die jetzt erstmalig gezeigten Steine mit. Da steht in majestätischer Schönheit in kristallinem Schwarz ein schwedischer Diabas. Fast zögerlich sind drei Mulden eingeschliffen. Man glaubt Sorge zu spüren, die Substanz dieser ursprünglichen Schönheit zu verletzen. Geschliffene Flächen bei Meteoritengestein entzücken die Augen. Je sparsamer der künstlerische Eingriff, umso edler die Wirkung.

Die Entspannung nach diesem ästhetischen Hochgenuss findet sich im Keller. Alte Bekannte sind mit Arbeiten versammelt wie die exzellente Grafikerin Claudia Berg oder der Fotograf K.T. Blumberg. Entspannende Heiterkeit aber bieten Arno Schmetjens geistreich skurrile Objekte aus dem Haushaltsnachlass seiner Mutter. Einen liebevolleren Grabstein gibt es nicht.

info Charlottenstraße 122, heute um 19 Uhr Filmvorführung "Zeitgenössische Fotografie in Amerika", Ausstellung noch bis 4. Oktober, Do. 14-21 Uhr, Fr.-So. 14-18 Uhr, 505 80 86. (Von Arno Neumann)

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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