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Wegkreuz

Claudia Berg und Hubertus von der Goltz in der Galerie Ruhnke

BÄRBEL WENDT

In der Auffassung modern und zeitgenössisch und diesmal dennoch eher abweichend von den Prinzipien des Galeristen, dominiert in der aktuellen Ausstellung von Claudia Berg und Hubertus von der Goltz bei Werner Ruhnke die Figürlichkeit. Zeichnen, ursprünglich nur als Skizze und Gedächtnisstütze genutzt, ist längst zur autonomen Kunstrichtung geworden. Es ist eine Technik, die in grafischer Klarheit eine intensive Auseinandersetzung mit der Welt ermöglicht. Auch Radierungen sind feinste Zeichnungen. Claudia Berg beherrscht beides.

Sie hat sich besonders auf die Radierung, die alte Kupferstichkunst, spezialisiert und beachtliches geschaffen. Dabei arbeitet sie sehr reduziert. Es geht nicht um Abbildung, sondern um Wesen, inhaltliches Erfassen, um die Zerbrechlichkeit von Mensch und Landschaft. Scenecas Eroticas ist eine Miniaturenserie aus der griechischen Götter- und Sagenwelt, die auch diese Aspekte verfolgt, so in "Apollo e Daphne", "Leda i el cogno", "Satiro e ninfa". Äußere Körperlinien, wenig Binnenzeichnung und Ambiente in unterschiedlich dicht und filigran gesetzten Linien genügen ihr, um Vollkommenheit zu erreichen.

Bei den Landschaften nimmt sie sich noch mehr zurück, ohne auf Charakteristika zu verzichten, so bei "Toskanische Landschaft I und II" oder bei "Sommer- und Obstbaumlandschaften". Mit der "Obstbaumwiese", in feinen Linien mit Silberstift und Grafit auf grundiertem Papier gemalt, setzt sie einen optischen und maltechnischen Glanzpunkt. Die "Portreten I und II" , passbildergroße Kopfreihungen in Radiertechnik, sind trotz ihrer Kleinheit reizvolle, realitätsnahe Porträts. Weitgehend abstrakt dagegen die großen Tafelbilder "Hohenseefeld" und "Dahme". Die Landschaft beziehungsweise Architektur am unteren Bildrand duckt sich unter dem raumeinnehmenden, alles dominierenden Himmel.

Ein Teil der plastischen Arbeiten von Hubertus von der Goltz thematisiert "Balance" im eigentlichen wie auch im ambivalenten Sinne. Der Mensch als Mittelpunkt im Raum seiner fast schon magisch ritualen Objekte findet sich auf schmalem Grund, um Gleichgewicht bemüht. Es ist jedoch eher ein Quasi-Raum, Ergebnis von Licht und Schatten, der die Figuren wie schwebend frei an der Wand befestigt, doppelt. Mensch und Schattenriss auf Gratwanderung zwischen den Welten, real und schicksalhaft.

Die faszinierende Anordnung der Miniaturfiguren in unterschiedlichster Körperhaltung aus geschwärzter Bronze beziehungsweise Messing, fixiert auf Metallband oder schwarzem Vieleck assoziiert zwangsläufig Balance. Sie werden durch Säureätzung aus Metallplatten herausgelöst oder gestanzt.

"Wegkreuz" ist das zweite Thema. Hier suchen Figuren auf irritierend unregelmäßig geformten Kreuzen nach Balance. Wegkreuze gleichsam als Architektur und Gleichnis menschlicher Existenz.

Claudia Berg, geboren 1976, studierte an der Hochschule für Kunst und Design Giebichenstein Grafik und Design und diplomierte 2002 in diesen Fächern. Hubertus von der Goltz, geboren 1941, wechselte nach anfänglichem Architekturstudium 1969 zur freien Kunst. Er war im Jahr 2000 maßgeblich am Aufbau des Kunsthauses im Ulanenweg beteiligt.

Galerie Ruhnke, Hegelallee 41, bis 12. August, Mi.-Fr. 14-18, Sa./So. 11-18 Uhr.

© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam

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