Über Stephan J. Möller

Eine farbkräftig leuchtende Arbeit auf Papier mit dem Titel "Würfelhocker II" zeigt die Einladungskarte zur Eröffnung der Ausstellung. Diese Arbeit bietet nur einen kleinen Ausschnitt des künstlerischen Spektrums von Stephan J. Möller, der vor 25 Jahren sein Bildhauer-Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee abschloss und seitdem freischaffend tätig ist. In seinem einsam gelegenen Atelier bei Oranienburg, idyllisch an einer Schleuse gelegen, bekommt man einen Eindruck von der Vielseitigkeit seines Werkes: Er arbeitet mit Stahl, Bronze, Stein, Holz, Ton, Gips und Papier. Es entstehen Plastiken, Skulpturen, Zeichnungen, Papierschnitte und Tafelbilder – teils in kräftigen Farben, teils in wenigen Erdfarben oder schlicht in weiß oder schwarz. Diese Bandbreite seiner Ausdrucksmöglichkeiten zeigt, dass er längst nicht mehr nur Bildhauer ist, sondern die Grenzen dieser Kunst längst überschritten hat. Als Maler kombiniert er häufig verschiedene Techniken wie Frottage (Abreibungen von strukturierten Oberflächen) und Collage, in Tafelbildern verwendet er Spritztechnik mit Autolack .

Trotz der Vielgestaltigkeit der Werke lässt sich bei genauerem Betrachten oft ein gemeinsames Grundmotiv erkennen: Gegensätze von Gebundenheit und Bewegung, von Strenge und Ausschweifung, von Abschließung und In-Sich-Zurückziehen einerseits und betontem Öffnen und Ausströmen nach Außen andererseits (z.B. in den Frottagen - Collagen aus Blei und Tusche). Stephan J. Möller bewegt das gegensätzliche Spiel der Kräfte, die rhythmischen Brechungen. Gefälliges und Harmonisches zu schaffen, ist nicht sein Ziel. Was ihn antreibt und beschäftigt, ist vor allem die Auseinandersetzung mit bedrohter Natur und Umwelt. Dies zeigen Kunstprojekte und Einzelarbeiten, die Probleme dieser Zeit aufnehmen wie abgeschlagenen Alleen in seinem Wohnort Hohenbruch, Massensterben von Tieren oder Umweltkatastrophen wie die von Tschernobyl. In Sachsenhausen sind verschiedene Denkmale von Möller zu sehen (Sandsteinstele, eiserne Grabplatten). Aber auch Erotik ist ein Thema, das er in Skulpturen und Bildern umsetzt.

Die Objekte dieser Ausstellung zeigen einen Querschnitt der Werke der letzten Jahre. Nach der Wende wandelte sich sein Stil vom Gegenständlichen zum Abstrakten. In zahlreichen Grafiken findet sich die Formensprache seiner Skulpturen wieder. Verschiedene Arbeiten aus Stahl erinnern an Collagen, sie sind aus einzelnen Teilen zu einem Gesamtobjekt zusammengeschweißt. Obgleich abstrakt gearbeitet gelingt es Möller, mit den Figuren menschliche Formen und Gefühle auszudrücken und Assoziationen zu wecken, z.B. an unterschwellige Erotik oder an Strenge oder Gradlinigkeit (z.B. "Der Richter").

Stephan J. Möller erhielt mehrere Preise (u.a. den Förderpreis der Stadt Brandenburg 2002). Er ist bekannt geworden durch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

Dr. Karin Tondorf, 21.Januar 2005, Eröffnung der Ausstellung "Einschnitte und Aufbrüche"
Galerie Ruhnke, Potsdam