Christian Heinrich wurde 1957 in Berlin geboren. Wo er auch an der Freien Universität - Berlin und der Universität der Künste - Berlin bis 1986 studiert hat, zuletzt als Meisterschüler bei Professor Herbert Kaufmann. Gleich nach dem Studium machte Christian Heinrich die erste Studienreise in die Türkei. Ergebnis waren erste Collagen auf Sand. Die meisten Arbeiten haben sehr viel mit Erfahrungen zu tun, die der Künstler bei seinen vielen Reisen in andere Länder gemacht hat.

Insbesondere nach mehreren Studien- und Arbeitsaufenthalten in Südafrika, einem spannungsreichen Land alter und neuer Kulturen und Lebensformen, fand der Künstler eine Ausdrucksform für seine Arbeit, die beide Welten verbindet. In seiner bekannten Technik, Ölcollagen auf Papier, Holz oder Leinwand, entstanden Bilder von landschaftlichen Impressionen in abstrakter Übersetzung. "Durch dicke und hauchdünne Schichtungen von handgeschöpften Naturfaserpapieren verbunden mit leuchtenden Ölfarben bekommen die Arbeiten einen fast schon 3-dimensionalen Objektcharakter. Das Feuer Afrikas, die beständige Kraft und das Licht der weiten Savannen, das Erdhafte, die sensible und wilde Schönheit und die klare Nüchternheit der zivilisierten modernen Welt vereinen sich zu faszinierenden harmonischen Bildkompositionen." (http://www.artfacts.net)

Zu Christian Heinrichs Selbstverständnis gehört es, Kunst nicht nur selbst zu produzieren sondern auch an andere zu vermitteln. Von 1988 bis 1991 war er Dozent für Bühnengestaltung, Bühnentechnik und Figurenspiel an der Berliner Universität der Künste. Vor zwei Jahren übte er eine Lehrtätigkeit an einer Kunstschule im südafrikanischen Kapstadt aus. Von 1989 bis 1991 hatte er ein Atelierstipendium der renommierten Karl-Hofer-Gesellschaft.

Von 1992 bis 1994 war Christian Heinrich verantwortlich für die Konzeption und Gestaltung der Ausstellungen "Auf dem Weg zu Kafkas Schloss" und "80 Jahre Charlottenburger Opernhaus" an der Deutschen Oper in der Berliner Bismarckstraße.
Die Vielzahl der Ausstellungen und öffentlichen sowie privaten Ankäufe zu erwähnen ist im Rahmen meiner Ausführungen nicht möglich.

Zur aufwendigen Technik mit der die Kunstwerke von Christian Heinrich entstehen, will ich Marlene Jochem vom Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern zitieren. Sie beschreibt sehr anschaulich den Produktionsprozess: "Auf einen Bildträger – Bütten, Leinwand oder Holz – werden viele Lagen verschiedener Papiere aufgebracht, die sehr unterschiedlich sind: hauchdünne Seiden- und Reispapiere, transparentes Pergament, kräftiges Bütten bis hin zu afrikanischem Elefantendungpapier. Diese handgefertigten Papiere, werden getränkt, geölt, in Leim getaucht, gerissen, geknautscht oder angebrannt. Schicht für Schicht wachsen die Papierlagen auf dem Bildgrund. Der dem Collagieren folgende Farbauftrag wird anschließend noch einmal bearbeitet: geschabt, geritzt, aufgraut oder geglättet. So entsteht eine Oberflächenstruktur, die Entstehungs- oder Vergänglichkeitsprozesse deutlich macht."

Die 32 Ölcollagen von Christian Heinrich begegnen in unserer Galerie 18 Skulpturen aus Eisen und Bronze von Klaus Reincke. Zu seinem künstlerischen Werdegang möchte ich folgende Stationen nennen: Klaus Reincke wurde 1942 in Bad Reichenhall geboren und wuchs ab 1950 in Berlin auf. Hier absolvierte er eine Grafikerausbildung am Amerika-Haus und studierte von 1964 bis 1969 freie und angewandte Malerei an der Staatlichen Akademie für Werkkunst in Berlin. Von 1970 bis 1983 lebte Klaus Reincke in München und war dort Mitarbeiter bei der Galerie Hartmann.

Von 1984 bis 1997 war er Eigentümer der Gildewart-Galerie in Osnabrück. Seit 1998 begann Klaus Reincke wieder mit der eigenen künstlerischen Tätigkeit mit dem Schwerpunkt Skulptur. Das prinzipiell Durchgängige in den Arbeiten von Klaus Reincke ist die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur, die bis zur Abstraktion reduziert wird. Die "Loreley" ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Man erkennt sie erst, wenn man das Titelschild gelesen hat, aber dann vergisst man sie nicht mehr in ihrem halsbrecherischen Balanceakt.

In einer Veröffentlichung aus Anlass einer Ausstellung im letzten Jahr in der Städtischen Galerie in Osnabrück charakterisiert Andre Lindhorst den Arbeitsprozess von Klaus Reincke bei dem seine Skulpturen stete Wandlungen durchliefen, die bis an die Grenze der Identität des menschlichen Körpers gehen. Köpfe, Schulterstücke, Arme und Beine erscheinen nunmehr als Urzeichen, als kraft- und spannungsvoll aufgeladene Formfindungen für Haltungen, Bewegungen oder auch kommunikative Prozesse.

Für die Entwicklung seiner Skulpturen spielt sicher auch sein zeichnerisch-grafisches Werk eine wichtige Rolle. Wir können davon in unserer Galerie leider nur eine Arbeit, "Die Blechtrommlerin", zeigen.

Die Dinge auf den Punkt zu bringen, ist sowohl das Anliegen von Christian Heinrich als auch Klaus Reincke. Hieraus ergibt sich ihre Suche nach zeitlosen Urformen, die beim Betrachter, wenn er entsprechend aufgeschlossen ist, unbewusst Erinnerungen wecken und einen Wiedererkennungseffekt hervorrufen.

Werner Ruhnke, Potsdam 10.Juli 2005